Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen

ImpulseausderPraxis-Interview

Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen

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Graphic Recording by Anne Lehmann

Kannst du dich und dein Engagement oder deine Arbeit kurz vorstellen?

Mein Name ist Norbert Hanisch und ich bin Projektleiter der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen. Wir agieren als sachsenweite und trägerübergreifende Anlaufstelle und Unterstützer für jene, die Kinder- und Jugendbeteiligung weiterentwickeln oder neu initiieren möchten oder aber auch diesem Thema bislang zurückhaltend gegenüberstehen. Dabei sind wir Ansprechpartner für politische Entscheidungsträger aller föderalen Ebenen, für Fachkräfte freier und öffentlicher Träger sowie für Akteure aus AGs oder Netzwerken.

Wie setzt du dich dafür ein, dass Jugendbeteiligung gestärkt wird?

Wir unterstützen vor allem erwachsene Akteure bei der Umsetzung, Neuinitiierung oder Weiterentwicklung von Kinder- und Jugendbeteiligung vor Ort. Wir eruieren gemeinsam, was es konkret braucht bzw. was angesichts vorhandener Ressourcen, Erwartungen und Motivationen mögliche Handlungsoptionen sind. Unterstützungsangebote unsererseits können bspw. Erstberatungen oder Kontaktvermittlungen sein bzw. auch die gemeinsame Entwicklung von Weiterbildungs- oder Vernetzungs- und Austauschformaten. Wir wollen Erwachsene darin fit machen, jungen Menschen gute Rahmenbedingungen für Beteiligung zur Verfügung zu stellen.

Welche Hürden begegnen dir dabei?

Eine Hürde ist sicherlich der unsichere bzw. auch begrenzte finanzielle Rahmen der Akteure. Diese können wir selbst nicht ändern, sondern im Sinne politischer Lobbyarbeit immer wieder anprangern und auf so auf Veränderung hinwirken. Auf einer inhaltlichen Ebene beobachten wir, dass es vor Ort nur selten an Ideen fehlt, was im Bereich Kinder- und Jugendbeteiligung getan werden könnte. Eine Hürde besteht da eher darin, dass es an Strategien fehlt, diese Ideen auch gut in die Tat umzusetzen. Auch bilden unausgesprochene Erwartungen und Motive der verschiedenen Akteure, was (und wer) denn eigentlich mit Kinder- und Jugendbeteiligung erreicht werden soll, nicht selten einen Stolperstein.

Wie hast du diese Herausforderung bewältigt?

Neben den oben skizzierten Unterstützungsangeboten sensibilisieren wir in erster Linie für die Komplexität und Vielschichtigkeit des Themas und besprechen grundlegende Gelingensbedingungen: Dass es bspw. Transparenz über vorhandene Erwartungen, Motivationen und Wünsche seitens der Beteiligten braucht. Oder – und dass dann auch mit den Jugendlichen gemeinsam – eine Verständigung über das Ziel eines Projektes bzw. Vorhabens und den Weg dahin.

Wie kann deiner Meinung nach Jugendbeteiligung erfolgreich und mit nachhaltiger Wirkung verwirklicht werden?

Hilfreich ist ein politischer Wille, wie er jetzt in Sachsen in der Festschreibung von Kinder- und Jugendbeteiligung als Pflichtaufgabe für Kommunen und Landkreise zum Ausdruck kommt. Es braucht darüber hinaus jedoch auch Strukturen, diesen politischen Willen vor Ort in die Tat umzusetzen – bspw. verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen, identifizierbare Ansprechpartner  in Kommunen und Landkreisen mit entsprechenden Ressourcen, methodisch fitte Fachkräfte. Ganz grundsätzlich braucht es seitens der Erwachsenen die Haltung, mit den jungen Menschen ernsthaft, wertschätzend und auf Augenhöhe arbeiten zu wollen.