Nach der DiskursWerkstatt „Vielfalt und Zukunft von Jugendbeteiligung“

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Nach der DiskursWerkstatt „Vielfalt und Zukunft von Jugendbeteiligung“

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Knapp dreißig Praktiker_innen aus Jugendarbeit und Jugendverbänden kamen am 17. Mai 2018 in Berlin zusammen. Bei der DiskursWerkstatt „Vielfalt und Zukunft von Jugendbeteiligung“ diskutierten sie darüber, wie die Mitwirkung von Jugendlichen gestärkt werden kann.

„Jugendbeteiligung ist heute Mainstream. Politik und Verwaltung hat erkannt, dass es wichtig ist, junge Menschen bei Entscheidungen mitzudenken und zu beteiligen. Jetzt liegt es an uns, genau dieses Gespräch weiter zu führen.“ Mit diesen Worten begrüßte die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) Alma Kleen die Teilnehmenden. Weiter betonte sie, dass von Jugendbeteiligung zwar häufig gesprochen wird, aber wie und warum sie funktioniert, nicht immer klar sei. „Deshalb veranstalten wir im Rahmen der Werkstatt MitWirkung diese Diskursreihe.“

Einen Tag lang diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Beteiligung junger Menschen durch effektive Lobbyarbeit in der Politik und Verwaltung gestärkt werden kann. Dazu reisten Expert_innen und Praktiker_innen der Jugendbeteiligung aus ganz Deutschland und aus verschiedenen Strukturen an. Viele von ihnen kamen aus den Kreis-, Stadt- oder Landesjugendringen ihrer Region. Aber auch Vertreter_innen von Servicestellen für Kinder- und Jugendbeteiligung, von Jugendbeiräten, verschiedener Jugendverbände und Beteiligungsbüros waren bei der Diskurswerkstatt vertreten.

 

Deutscher Bundesjugendring (CC0)

Bei der vom DBJR ausgerichteten Veranstaltung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu Jugendbeteiligungsprozessen auszutauschen und gemeinsame Herausforderungen zu identifizieren. Schließlich überlegten sie sich Strategien, um Beteiligung junger Menschen nachhaltig zu gestalten.

Nachdem die Teilnehmenden sich zu den Besonderheiten von verschiedenen Beteiligungsformaten wie Schülervertretungen, Jugendringe, Jugendparlamente, Projektarbeit oder Lobbyarbeit unterhalten haben, ging es in Kleingruppen darum, welche Faktoren sich für Jugendbeteiligung förderlich und hinderlich darstellen. Als hinderlich identifizierten die Gruppen, nicht jugendgerechte Kommunikationsweisen und Strukturen in der Verwaltung und Politik. Darüber hinaus sahen sie Scheinbeteiligungsprozesse, die mangelnde Bewerbung der Beteiligungsprozesse und ein fehlendes Betroffenheitsbewusstsein bei politischen Problemen und mangelnde Eigeninitiative.

Als förderlich empfanden die Teilnehmenden, gute Informationskampagnen zu Beteiligungsprozessen, um so möglichst viele Menschen zu erreichen. Sie stellten fest, dass junge Menschen motivierter sind, wenn sie mitbekommen, dass ihre Ideen auch umgesetzt werden. Auch die Schaffung eigener Strukturen, die Mitsprache und Mitbestimmung von jungen Menschen bei Beteiligungsformaten, effektive Öffentlichkeitsarbeit, finanzielle, materielle und personelle Ressourcen, konkrete Absprachen zur Wirksamkeit und den Entscheidungsspielräumen mit der Politik und Verwaltung sowie eine aktive Begleitung, Beobachtung und Bewertung des Beteiligungsprozesses und der Forderungsumsetzung hielten die Teilnehmenden als förderliche Elemente für Jugendbeteiligung fest.

Ähnlich schätzt es auch Jasmin-Marei Christen (DBJR) ein. In ihrem Input fasste sie zusammen, von welchem konkreten Beteiligungsverständnis vielen Praktiker_innen ausgehen und wie demgegenüber die Rahmenbedingungen für und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Jugendbeteiligung sind: „Selbst, wenn Beteiligung mittlerweile von der Politik gewollt ist, ist ihre Umsetzung oft schwammig.“ Daher brauche es gute Rahmenbedingungen, Verantwortungsbewusstsein der Politik, Qualifizierung für die Durchführung von Beteiligungsformen und eine Partizipationskultur, welche Beteiligung von Menschen nicht als Hürde, sondern als Bereicherung wahrnimmt. „Damit die Politik und Verwaltung Jugendbeteiligung ernst nimmt, ihre Forderungen aufnimmt, mitdenkt und umsetzt, brauchen wir bessere Lobbyarbeit“, sagte Christen. Dabei geht es nicht um abstrakte Forderungen oder Diskussionen. Jedesmal wenn Beteiligungsformate konkret geplant werden, ist es wichtig die notwendigen Rahmenbedingungen deutlich zu machen und ggf. dafür zu streiten. Genau das ist wichtige Lobbyarbeit für die Wirksamkeit der Beteiligung junger Menschen.

In der nächsten Gruppenarbeitsphase sammelten die Teilnehmenden praktische Ansätze zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen und Beteiligungsformate. Darüber hinaus diskutierten sie über die Ausrichtung von Lobbyarbeit. Dabei stellten sie fest, dass formale Verankerungen in Form von Gesetzen, Reglungen, Leitlinien und Konzepten genauso wichtig sind, wie die Herstellung einer Handlungsebene, um nachhaltige Strukturen und –formate zu Jugendbeteiligung zu gestalten. Auch diskutierten sie darüber, durch welche Formate junge Menschen und ihre Organisationen am wirksamsten auf die Politik Einfluss nehmen können.

Nachdem am Vormittag die Frage wiederholt aufkam, „Wie schaffen wir es, Beteiligungskultur in der Verwaltung zu verankern?“ nahm Michael Ruben Bandt dies als Ausgangspunkt für seinen Input. Er hat in den letzte Jahren Beteiligung in verschiedenen Formaten und aus verschiedenen Positionen heraus gestaltet und zeigte vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen mögliche Zugänge und wichtige Strategien auf.

„Ein Perspektivenwechsel kann hilfreich sein, um die Logik der jeweiligen Gegenseite zu verstehen und somit besser die eigenen Interessen vertreten zu können“, erklärte Bandt. „Viele Menschen in der Verwaltung haben die Vorstellung, dass ihnen bei zu viel Beteiligungspolitik, ein wütender Mob das Büro einrennen wird.“ Um effektive Jugendbeteiligung zu erreichen, müssten laut Bandt viele Menschen erst Mal aufgeklärt werden.

„Ihnen muss die Angst vor Beteiligung genommen werden. Auch Politiker_innen und Menschen in der Verwaltung brauchen Crash-Kurse in Beteiligung.“

Viele Akteure in Politik und Verwaltung würden, so Bandt, zwar heute ein Verständnis dafür besitzen, dass Jugendbeteiligung wichtig sei. Allerdings fehle ihnen das Erfahrungswissen und der Horizont, um effektive, nachhaltige und Jugendinteressen dienliche Beteiligungsformate einzurichten. „Dann ist es zwar gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht“, sagte Bandt. Er erklärte, dass die Beziehung zwischen Politik und Verwaltung häufig nicht aufeinander abgestimmt sei. Es sei wichtig, Unterstützung und den Zuspruch beider Akteure zu haben, um bei der erfolgreichen Umsetzung von Jugendbeteiligungsinitiativen keine Steine in den Weg gelegt zu bekommen. Deshalb sei es von Seiten der Jugendverbände wichtig, nicht nur zur Politik, sondern auch mit den zuständigen Mitarbeiter_innen in der Verwaltung gute Beziehungen zu unterhalten.

In der aus dem Input erwachsenen Diskussion wurden Handlungsimpulse für künftige Lobbyarbeit gesammelt und entwickelt. Dazu gehörte zum einen, Peer-Education in der Politik und Verwaltung zu Jugendbeteiligung zu fördern. Politiker_innen oder Verwaltungsangestellte, die mit Beteiligung schon betraut sind, sollen so ihren Kolleg_innen in anderen Kommunen, oder in anderen Bereichen die Vorzüge von Jugendbeteiligung näherbringen. Zum anderen sollten die kinder- und jugendpolitischen Stellen in der Verwaltung den formulierten Qualitätsstandards folgen, um effektive Beteiligungsarbeit aus der Verwaltung für Jugendliche garantieren zu können.

Darüber hinaus könnten Konzepte beziehungsweise ein Leitbild von Jugendbeteiligung in Absprache zwischen den Akteuren vereinbart werden. Auch der Umgang mit dem Anspruch an Qualität und Repräsentativität wurde diskutiert. Zuletzt wurde festgestellt, dass Politik und Verwaltung auch einzeln in den Blick genommen werden müssen. So müssen unterschiedliche Strategien für verschiedene Anlaufstellen und Ansprechpartner_innen entwickelt werden, um die größtmögliche Wirkung für mehr und bessere Jugendbeteiligung zu erzielen.

Die Ergebnisse mit cleveren Strategien und Impulsen zur besseren Lobbyarbeit werden  unter anderem bei der nächsten DiskursWerkstatt „Jugendbeteiligung stärken“ im Herbst 2018 aufgegriffen. Dort werden die formulierten Forderungen an Entscheidungsträger_innen aus Politik und Verwaltung weitergegeben und zusammen diskutiert, was jugendgerechte Prozesse brauchen und wie sie konkret gestaltet werden können.