Infos zum Thema

Was bedeutet eigentlich Partizipation?

Partizipation junger Menschen bedeutet, das Kindern und Jugendliche die Gesellschaft, in der sie leben und aufwachsen, aktiv mitgestalten. Partizipation ist Gestaltungsmacht. Politik und Gesellschaft sollten es jungen Menschen ermöglichen, ihr Recht auf diese Gestaltungsmacht wahrzunehmen.
 

Ein Recht auf Partizipation!

Warum sollten Politik und Gesellschaft Beteiligung ermöglichen? Weil Kinder und Jugendliche ein Recht auf Partizipation haben! Doch wo ist dieses Recht verankert? Hierfür gibt es handfeste Gesetzestexte.

Zum einen bietet die UN Kinderrechts-Konvention eine einwandfreie Gesetzesgrundlage. Deutschland hat die Konvention der Vereinten Nationen unterschrieben und hat damit versprochen, sie umzusetzen.


Artikel 12 – UN-Kinderrechtskonvention
(Berücksichtigung des Kindeswillens)

(1) Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.

(2) Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berührenden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden.

>> Hier findet ihr die gesamte Konvention nochmal in verständlicher Sprache.

Zum anderen ist es das Kinder- und Jugendhilfeschutzgesetz (KJHG). Das ist ein Bundesgesetz und gilt damit genauso für bundespolitische Verfahren, wie auch für alle Bundesländer und Kommunen.

§ 8 KJHG - Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

(1) Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Sie sind in geeigneter Weise auf ihre Rechte im Verwaltungsverfahren sowie im Verfahren vor dem Familiengericht, dem Vormundschaftsgericht und dem Verwaltungsgericht hinzuweisen.
(2) Kinder und Jugendliche haben das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden.
(3) Kinder und Jugendliche können ohne Kenntnis des Personensorgeberechtigten beraten werden, wenn die Beratung aufgrund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und solange durch die Mitteilung an den Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt würde.

Als erstes Bundesland hat Schleswig-Holstein das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Beteiligung in seiner Kommunalverfassung verankert.

§ 47 f  Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein - Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

(1) Die Gemeinde muss bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen.

(2) Bei der Durchführung von Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, muss die Gemeinde in geeigneter Weise darlegen, wie sie diese Interessen berücksichtigt und die Beteiligung nach Absatz 1 durchgeführt hat.

Was heißt das nun übersetzt?

Kinder und Jugendliche sind (junge) Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft. Es ist  daher unverzichtbar, sie an Entscheidungen, die sie betreffen, zu beteiligen. Ihr Recht auf Beteiligung darf ihnen nicht vorenthalten werden. Das heißt, es muss soziale und politische Räume geben, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden können um mit zu gestalten. Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen sollte also selbstverständlich sein.

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1,2,3… ist Partizipation dabei?

Es gibt ein sogenanntes „Stufenmodell der Partizipation“. Es unterteilt sie in drei Stufen und zwar von der schwächsten bis zur stärksten Form der Beteiligung.

  • Die erste und schwächste Stufe ist „Mitsprache und Mitwirkung“. Sie wird meist in Form von Befragungen praktiziert. Die dabei gesammelten Ideen werden dann von erwachsenen Entscheidungsträger_innen zur Kenntnis genommen und fließen in die Entscheidung ein. Die Erwachsenen haben bei dieser Beteiligung also am Ende die Entscheidungsmacht.
     
  • Die zweite Stufe ist schon intensiver. Hier geht es um „Mitbestimmung“. Jugendliche erhalten ein Mandat also eine Stimme bei Entscheidungen. Dabei ist ihr Stimmrecht gleichwertig mit dem der Erwachsenen. Ihnen wird also eine Mitverantwortung über ein Vorhaben eingeräumt.
     
  • Die letzte und wichtigste Stufe ist die „Selbstbestimmung“. Kinder und Jugendliche haben hier alleine die Entscheidungsmacht. Diese Stufe findet sich vor allem in selbstorganisierten Gruppen im Rahmen der Jugendverbandsarbeit wieder. Hier bestimmen junge Menschen meistens ihre Inhalte, Leitungen und Projektvorhaben selbst.

Außerdem sind 2010 vom Bundesjugendministerium >> Qualitätskriterien veröffentlicht worden , die auf Grundlage der DBJR-Position „>> Mitwirkung mit Wirkung“ entwickelt wurden. Diese Kriterien sind eine Art Checkliste, mit der ihr prüfen könnt, ob der gesellschaftliche Gestaltungsanspruch, den Partizipation mit sich bringen sollte, auch tatsächlich erfüllt ist.

  1. Beteiligung ist gewollt und wird unterstützt – Eine Partizipationskultur entsteht
  2. Beteiligung ist für alle Kinder und Jugendlichen möglich
  3. Die Ziele und Entscheidungen sind transparent, von Anfang an
  4. Es gibt Klarheit über Entscheidungsspielräume
  5. Die Informationen sind verständlich und die Kommunikation ist gleichberechtigt
  6. Kinder und Jugendlichen wählen für sie relevante Themen aus
  7. Die Methoden sind attraktiv und zielgruppenorientiert
  8. Es werden ausreichende Ressourcen zur Stärkung der Selbstorganisationsfähigkeit zur Verfügung gestellt
  9. Die Ergebnisse werden zeitnah umgesetzt
  10. Es werden Netzwerke für Beteiligung aufgebaut
  11. Die Beteiligten werden für Partizipation qualifiziert
  12. Partizipationsprozesse werden so gestaltet, dass sie persönlichen Zugewinn ermöglichen
  13. Das Engagement wird durch Anerkennung gestärkt
  14. Partizipation wird evaluiert und dokumentiert

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Partizipation! Ja, aber wie?

Ein erster Schritt Beteiligung zu ermöglichen, ist es Jugendliche gut zu informieren. Sie müssen wissen, wie, wo und worüber sie die Möglichkeit haben mitzubestimmen. Und sie müssen wissen, dass sie das Recht dazu haben. Denn es gibt immer noch Orte, wo Jugendliche nicht selbstverständlich mitreden dürfen, sondern wo sie es einfordern müssen. Auch das Wissen der Eltern, Erzieher_innen, Lehrer_innen und Politiker_innen in Bezug auf das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Beteiligung muss darum immer wieder aufgefrischt werden.

Wie Partizipation konkret gestaltet werden kann zeigen viele Projekte bundesweit. Im Nationalen Aktionsplan für ein kindergerechtes Deutschland (NAP, 2005-2010) wurden fünf Beteiligungsformen für Kinder und Jugendliche beschrieben:

  1. Beteiligung von Jugendverbänden beispielsweise durch Jugendringe
     
  2. repräsentative Formen, zum Beispiel Kinder und Jugendparlamente, Schüler-und Schülerinnenvertretung
     
  3. offene Formen, zum Beispiel Kinder-Stadtteilversammlungen, -Sprechstunden und -Gemeinderatssitzungen, Jugendforen
     
  4. projektbezogene Formen, zum Beispiel Zukunftswerkstätten, Workshops, Befragungen in konkreten Planungs- und Entscheidungsprozessen
     
  5. Beauftragten-Modelle, bei denen haupt- oder ehrenamtlich tätige Erwachsene bei Verwaltungen oder in politischen Entscheidungsgremien für die Interessen von Kindern und Jugendlichen eintreten (zum Beispiel eine Kinderanwältin)

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Wo wird Partizipation schon umgesetzt?

Die wichtigsten Felder der Beteiligung von Jugendlichen:

Beteiligung in der Schule und im Studium

Schule und Studium sind zwei zentrale Erlebnisfelder junger Menschen. Die Beteiligungsmöglichkeiten konzentrieren sich hier in erster Linie auf die Schüler_innen- und die Studierendenvertretungen (SV und AStA). Die Chance auf wirkliche Mitwirkung am Schul- und Unigeschehen haben die gewählten Vertreter_innen nur teilweise. Oft endet die Mitbestimmung vor den wirklich wichtigen Themen, wie Unterrichtsgestaltung oder Bestimmung von Lernräumen und -zeiten.

Für Schlagzeilen sorgte der bundesweite Bildungsstreik im November 2011, in welchem Schüler_innen und Studierende gemeinsam für Solidarität und freie Bildung eintraten.

Übrigens: Gerade in der Jugendarbeit sind besonders viele Schüler_innen und Student_innen engagiert. Die immer umfangreicheren Stunden- und Wochenpläne, sowie anfallende Studiengebühren stellen dieses Engagement genauso wie das Engagement in SV und AStA aber leider vor immer größere Schwierigkeiten.

Beteiligung im Betrieb

Für die Rechte, Pflichten und Belange speziell der jugendlichen Arbeitnehmer_innen und der Auszubildenden bis 25 Jahre gibt es in den Betrieben die Jugend- und Auszubildendenvertretung - JAV. Wenn ein Betrieb jedoch keinen Betriebsrat hat, wird es schwierig mit der Mitbestimmung für junge Beschäftigte. Denn dann haben sie keine Möglichkeit eine JAV zu wählen. Weitere Infos unter: >> http://www.betriebsrat.com/jugendvertretung-rechte-und-pflichten

Beteiligung in der Jugend(-verbands)arbeit

Zur Kinder- und Jugendarbeit zählen alle Angebote, die außerhalb der Schule für Kinder und Jugendliche da sind. Zum Beispiel gibt es viele verschiedene Jugendverbände, viele Vereine und andere Zusammenschlüsse von Kindern und Jugendlichen. Hier engagieren sich Jugendliche für gemeinsame Projekte, setzen sich mit wichtigen Themen auseinander und lernen gemeinsam. In diesen Bereichen organisieren junge Menschen ihre Freizeit selbst. Hier können sie Ihre Ideen, Wünsche, Vorstellungen und Interessen genau so umsetzen, wie sie es wollen. Das ist eine ganz direkte Form der Mit- oder sogar Selbstbestimmung von Jugendlichen.
Eine Liste von verschiedenen Jugendverbänden findet ihr unter folgendem  Link:

>> http://www.dbjr.de/der-dbjr/dbjr/mitgliedsorganisationen.html

Beteiligung in der Stadt und Gemeinde

Oft beschränkt sich die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Gemeinden auf wenige Bereiche. Typisch für die Beteiligung sind die Spielplatzgestaltung oder der Jugendtreff. Doch das sind nicht die einzigen Bereiche, in denen junge Menschen etwas zu sagen haben und ihre Meinung wichtig ist. In manchen Kommunen gibt es auch Jugendparlamente oder Bürgermeister_innensprechstunden, hier ist jedoch die Mitwirkung in der Regel sehr eingeschränkt. Es gibt sicherlich in allen Gemeinden viel mehr Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen, als die zwei oben genannten Beispiele. Da viele Gemeinden aber keine anderen Ideen haben, wie man junge Menschen an Entscheidungen beteiligt, müssen solche Ideen und Methoden erst bekannt gemacht und (weiter-)entwickelt werden. Denn eines ist klar: Kinder- und Jugendliche können die Gestaltung der Stadt und Gemeinde mit ihrer Sichtweise sehr positiv beeinflussen.

Beteiligung im Netz

Partizipation ist sowohl im öffentlichen Leben, als auch im Internet möglich. Gerade im Internet sind Jugendliche häufig anzutreffen, daher kann es ein gutes Werkzeug zur Partizipation sein. Diese sogenannte „E-Partizipation“ gewinnt immer mehr an Bedeutung, sie ergänzt bestehende Formen der Teilhabe. Hier ist es für Jugendliche über Soziale Netzwerke möglich, sich über politische Themen auszutauschen. Oder sie können beispielsweise Protestaktionen, Flashmobs etc. organisieren. Oder aber es werden Online-Plattformen gestaltet, die komplett auf Jugendbeteiligung ausgerichtet sind – so wie das ePartool von Ichmache>Politik!

Demo´s

Regelmäßig finden Demonstrationen zu verschiedenen Themen statt, die viele Menschen betreffen. Vielleicht kennt ihr ja den Bildungsstreik oder die großen Demonstrationen zur Abschaffung der Atomkraftwerke. Je mehr Menschen sich an einer Demonstration beteiligen, desto mehr Aufsehen wird erregt und desto eher befassen sich die Politiker_innen mit diesen Themen.
Weitere Infos: >> http://de.wikipedia.org/wiki/Demonstration

Tauscht euch doch in eurer Gruppe über die jeweiligen Beteiligungsfelder aus!
Was gibt es zu kritisieren und was funktioniert gut und warum?
Welche Rahmenbedingungen sind wichtig?
Fallen euch weitere Beteiligungsfelder ein?

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Zahlen und Fakten

Ihr wollt euch damit auseinandersetzen, wie viele Jugendliche sich wo aktiv beteiligen und braucht dafür Zahlen und Fakten? Die gibt es z.B. im Hauptbericht des >> Freiwilligensurveys 2009 - Zivilgesellschaft, soziales Kapital und freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004-2009.

Oder ihr werft einen Blick in der aktuellen Sinus-Jugendstudie „>> Wie ticken Jugendliche 2012?“. Die Studie beschreibt, in Form eines Lebensweltmodells, wie Jugendliche in verschiedenen Lebenswelten ihren Alltag (er)leben und gestalten.

 

Weitere Infos und Links

Ihr wollt noch mehr Input zum Thema Partizipation? Da gibt es unheimlich viele Quellen, hier nur drei für den Anfang:

  • Der Deutsche Bundesjugendring vertritt die Meinungen und Rechte von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Natürlich ist da auch Beteiligung ein Thema des >> DBJR.
  • Compasito soll Kindern helfen, sich in der Gesellschaft einzubringen und sich über ihre Rechte zu informieren, damit sie aktiv am Aufbau einer Kultur der Menschenrechte mitwirken können. Auf dieser Website findet ihr daher viele Infos zum Thema >> Partizipation zusammengefasst.
  • Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland wurde eine Jugendbeteiligung umgesetzt. Das Projekt hat viele Infos und Ideen zum Thema Beteiligung gesammelt, die ihr >> hier findet.

 

Habt ihr weitere interessante Links zu Webseiten oder Videos zum Thema, die ihr mit anderen Teilnehmenden teilen wollt? Schickt sie uns an ichmache-politik@dbjr.de.