Zusammenfassung der Konsultationsergebnisse

Bildung findet nicht nur in der (Hoch-)Schule oder am Ausbildungsplatz statt. Wissen, neue Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erwirbt man auch außerhalb des sogenannten formalen Bildungssystems. Eine besondere Rolle spielen dabei außerschulisch organisierte Gruppenaktivitäten, bei denen die Teilnahme freiwillig ist.

Von November 2011 bis Januar 2012 waren junge Menschen und Jugendgruppen in Deutschland dazu aufgerufen, sich mit ihren Meinungen, Erfahrungen, Positionen und Vorschlägen zur Anerkennung außerschulischer Bildung zu beteiligen. Die Konsultation war die erste im Rahmen des Strukturierten Dialogs zu den nationalen Schwerpunktthemen.

Hier findet Ihr die Zusammenfassung der Konsultationsergebnisse:

  1. Welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die junge Menschen im Rahmen der außerschulischen Bildung erwerben, haltet Ihr für besonders wichtig?
  2. Wie bewertet Ihr die Wertschätzung und Anerkennung dieser Kenntnisse und Fähigkeiten?
  3. Wie können die Sichtbarkeit und die Anerkennung dieser Kenntnisse und Fähigkeiten gestärkt werden?
  4. Was muss sich ändern, damit mehr junge Menschen von außerschulischer Bildung und den dabei erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten stärker profitieren?


1. Welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die junge Menschen im Rahmen der außerschulischen Bildung erwerben, haltet Ihr für besonders wichtig?

Die Gruppe macht’s

Die Konsultationsteilnehmenden fanden es wichtig, dass junge Menschen in der außerschulischen Bildung vor allem lernen, sich in einer Gruppe zurechtzufinden. Dies sei nicht nur im Berufsleben wichtig, sondern auch in der Schule, wo ein immer größerer Wert auf Gruppenarbeit gelegt würde. Junge Menschen werden in eine Gemeinschaft integriert, erleben diese, fühlen sich dazugehörig und lernen so nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen wahrzunehmen und sich für die Gemeinschaft einzusetzen.
Des Weiteren lernen und erfahren sie nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden, was es heißt, auf die Bedürfnisse anderer, insbesondere schwächerer Personen, Rücksicht zu nehmen, eigene Kenntnisse und Fähigkeiten an andere (z.B. Jüngere) weiterzugeben sowie im Team zu arbeiten, einander zu helfen und miteinander umzugehen. Kurz gesagt, sie entwickeln Empathie bzw. Einfühlungsvermögen.

Probieren geht über Studieren

Die Konsultationsteilnehmenden waren der Meinung, dass Lernen durch Selbermachen besonders nachhaltig ist. In der außerschulischen Bildung erhalten junge Menschen in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit, sich auszuprobieren, die eigenen Fähigkeiten kennen zu lernen, Neues zu entdecken, Stärken weiterzuentwickeln, mehr über sich zu erfahren und Lebensentwürfe zu erproben. Sie erfahren und erweitern ihre Grenzen und lernen in diesem Zusammenhang auch den Umgang mit Frustrationserlebnissen und Fehlern.
Wichtig war den Konsultationsteilnehmenden außerdem, dass junge Menschen in der außerschulischen Bildung motiviert werden, die Initiative zu ergreifen und selbst aktiv zu werden. Sie lernen, sich nicht mit allen Antworten zufrieden zu geben, querzudenken, aus dem Alltag auszubrechen und Neues zu wagen.

Für sich selbst und für andere

In der außerschulischen Bildung lernen junge Menschen nach Meinung der Konsultationsteilnehmenden außerdem, selbstbewusst aufzutreten und steigern so ihr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Darüber hinaus erfahren sie, was es bedeutet, sich eine Meinung zu bilden und diese zu vertreten.
Durch außerschulische Bildungsarbeit werden jungen Menschen Beteiligungsmöglichkeiten in der Gesellschaft eröffnet. Sie lernen, sich für die eigenen und für gesellschaftliche Belange einzusetzen, zu verhandeln und sich so an Prozessen in der Gesellschaft zu beteiligen und diese zu verstehen.

Lernen ohne Leistungsdruck

Wichtig, so die Konsultationsteilnehmenden, sei des Weiteren, dass junge Menschen erfahren, wie viel Spaß es machen kann, sich zu engagieren, aktiv zu sein und zu lernen. In der außerschulischen Bildungsarbeit erleben junge Menschen, dass Lernen keine „Pflichtaufgabe“ ist, sondern aus Neugier und Wunsch nach erfolgreicher Situationsbewältigung geschieht: Lernen ist aus eigenem Antrieb und auch ohne konkrete Vorgaben, Zwang oder Leistungskontrollen möglich.

Jede Person ist wertvoll

Nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden lernen junge Menschen darüber hinaus, sich selbst, andere Menschen und Dinge wertzuschätzen. Die außerschulische Bildungsarbeit ermöglicht es ihnen zudem, ein umfassendes Werteverständnis zu entwickeln. Sie erlangen die Fähigkeit, Menschen in ihrem „Anderssein“ zu erkennen und zu akzeptieren, indem sie zum Beispiel lernen und erfahren, was Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen, von älteren und jüngeren Personen, von behinderten und nichtbehinderten Menschen bedeutet.

Individuellen Stärken entdecken und ausbauen

Die Konsultationsteilnehmenden fanden es wichtig, dass in der außerschulischen Bildung die Förderung der individuellen Fähigkeiten von jungen Menschen im Vordergrund steht. Junge Menschen erfahren, dass nicht jede_r alles gleich gut können muss und können gleichzeitig ihre eigenen Stärken entdecken und weiterentwickeln. Damit bietet die außerschulische Bildung jungen Menschen Möglichkeiten zur Entdeckung und Entfaltung von Fähigkeiten und Interessen, die im schulischen Bildungsangebot nicht vorhanden sind.


2. Wie bewertet Ihr die Wertschätzung und Anerkennung dieser Kenntnisse und Fähigkeiten?

Außerschulische Bildung steht nicht besonders hoch im Kurs

Auch wenn viele der Konsultationsteilnehmenden dachten, dass niemand die in der außerschulischen Bildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten missen möchte, so herrscht doch die Meinung vor, dass sie von der Gesellschaft bzw. von Dritten im Allgemeinen und von der Politik, Arbeitgeber_innen und (Hoch-)Schulen im Speziellen nicht ausreichend wertgeschätzt und nur bedingt von diesen anerkannt werden. Die in der außerschulischen Bildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeit stehen nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden nicht besonders hoch im Kurs. Oftmals werde unterschätzt, was Kinder- und Jugendverbände und andere Träger leisten und wie sie die Entwicklung junger Menschen positiv beeinflussten.
Viele der Konsultationsteilnehmenden fanden, dass die Politik den Wert außerschulischer Bildung unterschätze. Selbst wenn sie sich dazu bekenne, seien dies nur Lippenbekenntnisse, da im gleichen Schritt die Rahmenbedingungen für außerschulische Bildungsmöglichkeiten erschwert würden. Andere meinen, dass die Politik langsam beginne, den Wert außerschulisch erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten anzuerkennen. Es müsse jedoch noch viel getan werden!
Die Wertschätzung außerschulischer Angebote durch die staatlichen Bildungsinstitutionen wird von den Konsultationsteilnehmenden ambivalent gesehen. Sie würden oft nur als ergänzendes Angebot wahrgenommen und die dabei erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten oft nicht in Zeugnissen anerkannt.

Wertschätzung heißt Freiräume schaffen

Nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden bedeutet freiwilliges Lernen außerhalb der Schule eine 100%ige Leidenschaft für die eigenen Interessen. Die Konsultationsteilnehmenden halten es zudem für wichtig, dass es außerhalb der Schule Angebote bzw. Freiräume gibt, in denen sich junge Menschen ausleben und ihre Fähigkeiten ausprobieren können. Das außerschulische Engagement junger Menschen wertzuschätzen, bedeutet nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden auch, dafür mehr Zeit zur Verfügung zu stellen.

Anerkennung ist nicht gleich Anerkennung

Die Konsultationsteilnehmenden sahen einen Unterschied zwischen der Anerkennung außerschulisch erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten („Haben Sie aber gut gemacht!“) und ihrer Würdigung bzw. Berücksichtigung im konkreten Fall (z.B. Freistellung von der Schule bzw. vom Arbeitsplatz). Sie waren darüber hinaus der Ansicht, dass die Anerkennung im schulischen und beruflichen Bereich sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Es hänge stark von den Lehrkräften, der Schulleitung, den Arbeitgeber_innen etc. ab, ob das Engagement gewürdigt werde.

Nicht alles ist messbar!

Einen Grund, weshalb die Anerkennung außerschulisch erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten nur schwer zu erreichen ist, sehen die Konsultationsteilnehmenden in unserer Gesellschaft und Wirtschaft, da beide nur messbare Leistungen wertschätzten. Der Mensch würde als Wirtschaftsgut betrachtet und nur selten werde wahrgenommen, dass auch „im Kopf“ etwas passiere.

Wertschätzung braucht Selbstreflexion

Die Konsultationsteilnehmenden hatten die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen die in der außerschulischen Bildung erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen selbst sehr zu schätzen wissen, da sie diese beispielsweise auch in ihrer schulischen Ausbildung nutzen könnten. Einige junge Menschen nutzen diese Kenntnisse und Fähigkeiten bewusst für ihren beruflichen Werdegang und machten auch positive Erfahrungen mit deren Anerkennung. Allerdings verweisen die Konsultationsteilnehmenden auch darauf, dass Menschen, die über solche Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, erst mit der Zeit merkten, was sie bei diesem Engagement bzw. in der außerschulischen Bildung gelernt haben. Dies erfolge häufig erst im Studium bzw. in der Ausbildung oder beim Einstieg ins Berufsleben bzw. durch eine spätere Selbstreflexion.


3. Wie können die Sichtbarkeit und die Anerkennung dieser Kenntnisse und Fähigkeiten gestärkt werden?

Nachweise ja - Pflichtenheft nein

Die Konsultationsteilnehmenden waren der Meinung, dass es im Lebenslauf einen Platz geben solle, um die außer-schulisch erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten insbesondere für Arbeitgeber_innen sichtbar zu machen. Dabei solle aber kein „Pflichtenheft“ entstehen, das abgearbeitet werden müsse, da dies dem Prinzip der Freiwilligkeit in der außerschulischen Bildung widerspräche. Auf Wunsch sollten die Teilnehmenden an außerschulischen Bildungsangeboten jedoch ein Zertifikat erhalten, das diese Fähigkeiten/Aktivitäten für Dritte nachweist. Besonders wirksam erschienen den Konsultationsteilnehmenden Bestätigungen über ehrenamtliche Tätigkeiten, die nicht vereinheitlicht oder zertifiziert sind, sondern individuell für die entsprechende Person ausgestellt werden und deren Arbeit und Leistungen hervorheben.

Raus aus dem stillen Kämmerchen!

Die Sichtbarkeit und Anerkennung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die in der außerschulischen Bildung erworben werden, könnten nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden gestärkt werden, indem

  • die Öffentlichkeit besser über den außerschulischen Bildungsbereich informiert wird;
  • die Jugendarbeit stärker in die Öffentlichkeit integriert wird;
  • Projekte mit positiven, gesellschaftsfördernden Inhalten durchgeführt werden;
  • junge Menschen verstärkt über die Angebote und Möglichkeiten der außerschulischen Bildungsarbeit informiert werden (z.B. durch „Schnupper-Aktionen“);
  • man Ehemalige und Multiplikator_innen motiviert, die außerschulische Bildung in anderen Bereichen bekannt zu machen;
  • die außerschulische Bildung in den Medien (Zeitung, Fernsehen, Radio, Internet) durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sowie Kampagnen und Aktionen präsenter wird;
  • öffentliche Personen und Prominente, sich zu ihrem außerschulischen Engagement in der Jugendarbeit bekennen;
  • junge Menschen, die in der außerschulischen Bildungsarbeit aktiv sind, dies besser darstellen und sich selbstbewusst präsentieren lernen (z.B. gegenüber Arbeitgeber_innen);
  • Schulen verstärkt für die Angebote der außerschulischen Bildungsarbeit werben und den Schüler_innen die Teilnahme daran ermöglichen.

 

Nebeneinander statt hintereinander

Die Konsultationsteilnehmenden forderten die Gleichwertigkeit von schulischer und außerschulischer Bildung auf verschiedenen Ebenen. Bei Veranstaltungen, wie z. B. dem nationalen Bildungsgipfel, sollte der außerschulische Bildungsbereich stärker berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollten außerschulisch erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten genauso anerkannt werden wie schulische Lernfächer, Klausuren und Noten. Die Politik sollte nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden die außerschulische Bildung mehr wertschätzen, indem sie sich weniger auf die schulische Bildung fokussiert und der außerschulischen Bildung mehr Freiräume und eine bessere Förderung verschafft. Die Konsultationsteilnehmenden schlugen zudem eine Verankerung der außerschulischen Bildungsarbeit als gleichwertiger Partner in den Bildungsplänen vor.

Wertschätzung und Anerkennung auf allen Ebenen

Nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden sollte das ehrenamtliche Engagement allgemein besser anerkannt und gefördert werden: Gesellschaft, Politik, Schule und Elternhaus müssten das außerschulische Engagement junger Menschen stärker würdigen. Dabei sollte insbesondere die Regierung deutlich zeigen, dass sie die außerschulische Bildung anerkenne. Die Konsultationsteilnehmenden erachten Lob, Ehrung und Auszeichnungen auch für junge Menschen als sinnvoll und schlagen ganz konkret vor, dass bei Ehrungen im Verein, durch den bzw. die Bürgermeister_in und andere nicht nur langjährig Aktive (meist „(Fast-)Senior_innen“) berücksichtigt werden, son-dern auch junge Menschen.
Die Anerkennung und Sichtbarkeit der außerschulischen Bildungsarbeit kann nach Meinung der Konsultationsteilnehmenden darüber hinaus gestärkt werden, indem junge Menschen bessere Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten in der Schule, in Kommunen etc. erhalten (z.B. durch ein Rederecht in „Erwachsenengremien“) und indem Bund und Länder eine eigenständige Jugendpolitik etablieren.

Alltagsnahe Angebote und praktische Unterstützung für Aktive

Die Konsultationsteilnehmenden waren der Meinung, dass die Angebote der außerschulischen Bildungsarbeit zeitlich flexibel gestaltet werden sollten, sodass auch junge Menschen mit kleinerem Zeitbudget daran teilnehmen können. Darüber hinaus sollten die Angebote genauso wie Aus- und Fortbildungen in dem Bereich möglichst alltagsorientiert sein.
Die Konsultationsteilnehmenden schlagen vor, dass junge Menschen, die in der außerschulischen Bildung aktiv sind, Vorteile und Unterstützungen erhalten sollten. Konkret sollten

  • Arbeitgeber_innen Berufstätige und Auszubildende, die sich ehrenamtlich in der außerschulischen Bildung engagieren, unterstützen (z.B. durch Bildungs- oder Sonderurlaub, Freistellungen);
  • junge Menschen für ihren weiteren Lebensweg durch Stipendien und andere Formen der Unterstützung ge-fördert werden und
  • ehrenamtlich tätige Gruppenleiter_innen steuerliche Vorteile erhalten, um die teils erheblichen privaten materiellen und immateriellen Aufwendungen ein wenig zu kompensieren.


4. Was muss sich ändern, damit mehr junge Menschen von außerschulischer Bildung und den dabei erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten stärker profitieren?

Umdenken erforderlich

Die Macher_innen der außerschulischen Jugendbildung sollten sich neuen Ideen gegenüber offen zeigen, fordern die Konsultationsteilnehmenden. Darüber hinaus müsse man sich von der ursprünglichen Idee der Institutionalisierung der „Bildung“ durch die klassische Schule lösen. Der Fokus von Bildung sollte zudem auf der Entwicklung persönlicher Interessen und Stärken liegen; Menschen dürften nicht als wirtschaftliches Kapital betrachtet werden.

Außerschulische Bildung ins Rampenlicht

Die Konsultationsteilnehmenden waren der Ansicht, dass wir mehr positive Öffentlichkeitsarbeit über Menschen, die sich engagieren, brauchen. Die Gesellschaft müsse lernen, dass außerschulische Bildung und außerberufliche Aktivitäten einen bedeutenden Teil des Zusammenlebens darstellen. Erst, wenn man sich erklären müsse, warum man selber nichts tue, sei die Grundhaltung auf dem richtigen Weg. Dafür müssten, so die Konsultationsteilnehmenden, auch die außerschulischen Bildungseinrichtungen selbst mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten und Aktionen mit großer Außenwirkung starten, um auf die Bedeutung der außerschulischen Bildung aufmerksam zu machen und Klischees und Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen. Auch in Schulen sollte stärker auf ehrenamtliches Engagement und außerschulische Bildungsangebote aufmerksam gemacht werden. Politisch Verantwortliche sollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Geld gezielter einsetzen

Die Förderung immer neuer Projekte („Projektitis“), die alle unter unterschiedlichen Namen ähnliche Ziele verfolgen, fanden die Konsultationsteilnehmenden nicht sinnvoll. Stattdessen forderten sie die Unterstützung von Prozessen und der dafür notwendigen Strukturen, um für junge Menschen Verlässlichkeit zu schaffen. Zudem halten sie eine bessere und langfristige Förderung für Einrichtungen und Verbände der Bildungs- und Jugendarbeit für notwendig, damit diese ihren Bildungsauftrag unter guten Bedingungen, mit qualifiziertem Personal und attraktiven Angeboten erfüllen können. So sollten u.a. Aus- und Weiterbildungen für Jugendleiter_innen besser gefördert werden, damit Träger interessante Angebote machen könnten. Politisch Verantwortliche müssten nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden endlich begreifen, dass Jugendhilfe wirtschaftlich sinnvoll ist.

Hindernisse abbauen

Voraussetzung dafür, dass mehr junge Menschen von außerschulischer Bildungsarbeit profitieren, war nach Meinung der Konsultationsteilnehmenden, dass ehrenamtliches Engagement weiterhin möglich ist und nicht durch strukturelle Veränderungen (z.B. Ganztagsschule, Verschulung des Hochschulstudiums) verhindert oder erschwert wird. Die Konsultationsteilnehmenden forderten daher zum einen, dass das durch G8 geänderte Schulpensum besser strukturiert wird, um den Schüler_innen einen freien Nachmittag zu ermöglichen. Zum anderen sollten Auszubildende bei der Beantragung von „Sonderurlaub“ für außerschulische (Bildungs-)Aktivitäten gestärkt werden. Eine Namensänderung wurde dafür bereits als förderlich angesehen. Des Weiteren sollten Hochschulen eine verbindliche prüfungs- und praktikumsfreie Zeit während der Schulsommerferien sicherstellen, damit Studierende, die als Jugendleiter_innen o.ä. tätig sind, ihr Engagement planen können. Die Konsultationsteilnehmenden sind des Weiteren der Ansicht, dass jungen Menschen die Teilnahme an außer-schulischen (Bildungs-)Angeboten erleichtert werden müsse, z.B. durch geringere Beiträge für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, Angebote an Schulen oder eine Befreiung vom Unterricht. Generell sollten Bildungsangebote für alle zugänglich und erreichbar sein.

Jugendliche ernst nehmen und fordern

Die Konsultationsteilnehmenden hielten es für wichtig, dass die Beteiligung und Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen auf allen Ebenen der Gesellschaft sichergestellt wird. Jungen Menschen sollte zudem mehr zugetraut und sie sollten mehr gefordert werden.

Außerschulische Bildung gleichwertig anerkennen

Eine wichtige Forderung der Konsultationsteilnehmenden war die gleichwertige Anerkennung außerschulischer Leistungen durch Arbeitgeber_innen, welche diese genauso anerkennen sollten wie ein Zeugnis aus der Schule. Das Engagement von (jungen) Bewerber_innen und Mitarbeitenden sollte nicht nur „nebenbei“ wertgeschätzt werden, sondern positiv in die Bewertungen einfließen.
Politisch Verantwortliche, die Gesellschaft, (Hoch-)Schulen, Ausbildungsbetriebe, der Arbeitsmarkt, die Anbieter_innen der außerschulischen Bildung etc. sollten nach Meinung der Konsultationsteilnehmenden für außerschulisch erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten offen sein, sich ggf. darüber informieren und eventuelle Vorurteile überprüfen.

Qualität zählt

Die Konsultationsteilnehmenden fanden den Einsatz von qualifizierten Referent_innen in der außerschulischen Jugendbildung wichtig. Dies könnten auch Personen sein, die sich durch persönliche Erfahrungen qualifiziert haben und nicht notwendigerweise entsprechende Abschlüsse oder Titel vorweisen können. Gleichzeitig halten sie es für notwendig, dass die Fortbildungssysteme für Ehrenamtliche und Bildungsbeauftragte in der außerschulischen Jugendbildung verbessert werden, um diese in die Lage zu versetzen, den Mehrwert und die Potenziale außerschulischer Bildung besser zu erläutern und zu erklären.

Anreize schaffen

Damit mehr junge Menschen von außerschulischen Bildungsangeboten profitieren können, forderten die Konsultationsteilnehmenden, dass außerschulisches Engagement im Sozialversicherungssystem (z.B. bei der Rentenversicherung) angerechnet wird. Außerdem wünschten sie sich, dass Jugendleiter_innen und andere Personen, die in der außerschulischen Bildungsarbeit tätig sind, bezahlten Urlaub für non-formale Ausbildungen (Erwerbsersatz) erhalten. Darüber hinaus sollten Personen, die in der außerschulischen Jugendbildung aktiv sind, Vergünstigungen in Bussen und Bahnen sowie bei staatlichen bzw. städtischen Einrichtungen (z.B. Hallenbad, Museum) erhalten.