Aktionsideen

Nur Reden ist euch zu langweilig und ihr möchtet lieber aktiv werden? Ihr wollt selbst dazu beitragen, dass das Zusammenleben in unserer Gesellschaft besser funktioniert und sucht noch nach Inspiration? Hier findet ihr eine kleine Auswahl von entsprechenden Aktionsideen.

Hinweis: Die Ideen haben wir mit Unterstützung der Teilnehmenden des Kick-off-Wochenendes „Zusammenleben mitgestalten“ vom 29. April bis 1. Mai 2016 in Wiesbaden zusammengetragen.

Übersicht:

Cook&Talk

Ziel: Im eigenen Umfeld und in lockerer Atmosphäre kommt ihr mit einer neuen Gruppe von Jugendlichen ins Gespräch.

So geht’s: Schaut euch in eurem Ort oder eurer Stadt um und überlegt, wo ihr junge Menschen treffen könntet, die von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind und zu denen ihr bislang noch keinen engeren Kontakt hattet. Ladet einige dieser non Jugendlichen zum gemeinsamen Kochen und Reden ein.

Bei den gemeinsamen Vorbereitungen des Essens könnt ihr euch begegnen und austauschen. Beim Kochen und Essen herrscht oft eine viel persönlichere, freundschaftlichere Atmosphäre, bei der man sich besser kennenlernen und austauschen kann. Solche Begegnungen fördern gegenseitiges Interesse, Verständnis und Freundschaften.

Gruppengröße: ab 4 Personen
Zeitbedarf: ein Nachmittag oder Abend (ohne Vorbereitung)
Sonstiges: Es kann schwierig sein, einen passenden Raum zu finden, wo man in einer Gruppe zusammen kochen kann. Keine Sorge, ihr könnt auch einfach zusammen grillen oder ein Picknick vorbereiten. Seid kreativ!

Kamera an!

Ziel: Mit den persönlichen Geschichten von jungen Geflüchteten habt ihr die Gelegenheit, die in individuellen Biographien versteckten gesellschaftliche Verhältnisse und Prozesse besser zu verstehen. Außerdem fördert die Erzählung des eigenen Lebens das Selbstbewusstsein.

Gut zu wissen: Warum Videos? In der Regel erreicht man Menschen visuell leichter als über Texte. Ein Video im Internet anzuschauen, ist nicht anstrengend und kann sogar entspannend sein. Und wenn dazu noch die Geschichte spannend und gut erzählt wird, wird aus einem vielleicht eher unspektakulären Produkt ganz schnell etwas Interessantes.

So geht’s: Ladet eine Gruppe von jungen Geflüchteten ein, mit euch die Storytelling-Clips zu drehen. Dabei ist es ratsam, mehrere Vortreffen durchzuführen, damit ihr euch kennengelernt und Vertrauen zueinander aufbaut.
Im nächsten Schritt solltet ihr gemeinsam überlegen, was für Geschichten erzählt werden sollen: Erinnerungen, Erfahrungen, Familiengeschichten, Geschichten über und für Menschen, die den jungen Geflüchteten wichtig sind. Achtet dabei unbedingt darauf, dass die Privatsphäre der Beteiligten nicht verletzt wird! Die Erzähler_innen entscheiden, welche Punkte in den Clip kommen sollen und welche nicht.

Bereitet eine auf eine kurze wesentliche Aussage reduzierte Geschichte vor und schreibt sie auf (nicht mehr als 300 Wörter).
Danach wählt ihr dazu passende Bilder aus. Das können mitgebrachte Fotos sein, ihr könnt aber auch im Rahmen der Aktion selbst fotografieren. Es ist nicht notwendig, dass die Erzähler_innen in dem Clip zu sehen sind. Im Notfall reichen auch Bilder aus einer Bilddatenbanken mit legalen Bildern (Creativ-Commons-Lizenz).
In der letzten Phase werden die drei- bis fünfminutigen Geschichten aufgenommen. Als Gruppe könnt ihr euch überlegen, wie man die Videos zusammenstellen und weiter damit arbeiten kann.

Zur Inspiration könnt ihr euch gern das Projekt „Capture Your Life“ der Naturfreundejugend Deutschlands anschauen. Hier könnt ihr die Broschüre „Capture Your Life – Digital Storytelling mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ bestellen, die einen Theorieteil, einen Praxisteil zur Seminar und Workshopgestaltung sowie eine sozialwissenschaftliche Auswertung einzelner Digital Storys umfasst.

Größe der Gruppe: ab 3 Personen
Zeitbedarf: mehrere Vortreffen sowie ein ganzer Tag für Aufnahmen und Nachbereitung
Materialien: Ihr braucht eine Kamera (es reicht aber auch ein Smartphone mit Videofunktion) und einen Rechner, auf dem man später die Clips schneiden kann. Für das Schneiden reicht ein Open-Source-Programm wie Windows Movie Maker aus. Vor der Veröffentlichung der Videos solltet ihr unbedingt darauf achten, die Einverständniserklärungen der abbildeten Personen einzuholen!
Alternativ: Ihr könnt auch gerne mit einer anderen Gruppe der jungen Menschen arbeiten. Schaut euch in eurem Ort um und denkt an die Gruppe oder Jugendlichen, mit denen ihr sonst keinen regelmäßigen Kontakt habt.

Foto-Aktion

Ziel: Eine Foto-Aktion bietet eine gute Gelegenheit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Dadurch könnt ihr erfahren, was anderen Jugendlichen wichtig ist.

Baut in einem Park oder auf dem Marktplatz eures Wohnorts einen kleinen Stand auf. Gestaltet mit Hilfe einer Metaplanwand oder einem Laken einen Hintergrund, vor dem sich die Jugendlichen fotografieren lassen können.
Überlegt euch im Vorfeld der Aktion, welche Fragestellung für euch wichtig ist und gestaltet entsprechende Sprechblasen aus Karton (zum Beispiel: „Für das Zusammenleben in Vielfalt brauche ich…“).
Fordert jugendliche Passant_innen auf, die Sätze zu vervollständigen. Wer möchte, kann sich mit der Sprechblase fotografieren lassen. Wichtiger Hinweis: Wenn ihr vorhabt, die Fotos im Internet zu veröffentlichen, holt euch von den Teilnehmenden das Einverständnis.

Die Fotos könnt ihr später digital und/oder in Papierform veröffentlichen und die Aussagen für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Zusammenleben mitgestalten“ verwenden.

Größe der Gruppe: ab 3 Personen
Zeitbedarf: ein halber Tag für die Aktion und ein weiterer Tag für die Nacharbeitung
Materialien: Stand mit Hintergrund, vorbereitete Sprechblasen aus Karton, dicke Eddings, Digitalkamera, ggf. Einverständniserklärungen

Alternativer Stadtrundgang

Ziel: Ein alternativer Spaziergang durch die Stadt bietet eine gute Gelegenheit, einen neuen Blick auf die gesellschaftliche Vielfalt in eurem Wohnort zu werfen.

Bevor ihr euch auf den Weg macht, überlegt euch, welche Ecken eures Wohnorts unbekannt sind oder für die Fragestellung besonders interessant sein könnten. Ihr könnt gern in einem Park oder Jugendzentrum anfangen, also da wo, ihr andere Jugendliche finden könnt, die sich euch vielleicht anschließen möchten.

Nehmt einen Stadtplan und markiert die Orte, die ihr euch ansehen wollt und versucht, einen Spaziergang zu planen.
Für den Rundgang solltet ihr euch 4-6 Plätze aussuchen, an denen ihr stehen bleibt, um Passant_innen anzusprechen. Fragt sie, warum sie sich in der Gegend sich aufhalten, warum sie sie mögen bzw. nicht mögen und wie es um das gesellschaftliche Miteinander in diesem Stadtteil bestellt ist. Versucht herauszuhören, wo die Herausforderungen für das Zusammenleben in der Gegend liegen und ob es Ideen gibt, wie man diese Schwierigkeiten überwinden könnte.

Größe der Gruppe: ab 2 Personen
Zeitbedarf: eine halbe Stunde für das Vorbereiten und 2-4 Stunden für den Stadtrundgang
Materialien: Stadtplan, Stifte und Zettel für Notizen, gute Laune

Schöne Grüße!

Ziel: Mit den lokalen Entscheidungsträger_innen ins Gespräch kommen und ihnen die Ideen und Vorschläge von jungen Menschen zum Thema „Zusammenleben mitgestalten“ vorstellen. Zusammen könnt ihr euch überlegen, wie das gesellschaftliche Miteinander besser funktionieren könnte.

In einer Gruppe überlegt ihr, mit welchen Entscheidungsträger_innen ihr ins Gespräch kommen möchtet. Es müssen nicht unbedingt Politiker_innen sein. Kontaktiert sie und fragt, ob sie an einem Nachmittag Zeit für einen Austausch mit euch hätten.

2-3 Wochen vor dem Treffen bereitet ihr die Mitmach-Karten vor. Ihr könnt sie in Form einer Postkarte gestalten, die an die Entscheidungsträger_innen adressiert wird. Auf die andere Seite schreibt ihr, was für euch wichtig wäre, um das Zusammenleben in eurem Wohnort mitzugestalten, und was ihr euch dazu von den Entscheidungsträger_innen wünscht. Eine Vorlage für solch eine Mitmach-Karte findet ihr hier

Bei der Veranstaltung mit den Entscheidungsträger_innen könnt ihr die Karten an sie übergeben. Die Beiträge könnt ihr als Gesprächsanregung nutzen.

Größe der Gruppe: ab 5 Personen
Zeitbedarf: ein paar Tage für die Aufnahme des Kontakts mit den Entscheidungsträger_innen und das Gestalten und Beschriften der Karten und  dazu ein Nachmittag für das Gespräch
Materialien: Mitmach-Karten/Postkarten, Stifte, ggf. Bastelmaterial