Methodentipps

Foto: thecrispone | flickr (CC:BY-NC)

Übersicht:

 

Meine Gruppe

Erzählt, in welchen Gruppen, Cliquen, Szenen, Kulturen ihr unterwegs seid und wo ihr euch wohl fühlt. Vielleicht gehört ihr einer festen Jugendgruppe an, seid Mitglied eines Sportvereins, trefft euch am Wochenende mit anderen Jugendlichen am Kiosk/Marktplatz (Clique) oder drückt mit eurer Kleidung die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (z.B. Skater) aus.

Sammelt die verschiedenen Formen (Cliquen, Gruppen, Szenen) und schreibt sie auf verschiedene Karten. Bedingung ist, dass ihr entweder selbst einer solchen Szene, Clique, Kultur angehört oder Jugendliche kennt, die zu einer solchen gehören. Während ihr noch überlegt und schreibt, können die fertigen Karten schon aufgehängt und visualisiert werden, so dass ein sehr breites Feld von Bezeichnungen entsteht. Die Szenen, Kulturen und Cliquen müssen noch nicht weiter beschrieben werden, es reicht sie aufzuschreiben: Skater, Rollenspieler etc.

Dann werden Kleingruppen gebildet zur näheren Beschreibung der einzelnen Clique. Die Kleingruppen werden so aufgeteilt, dass sie ein, zwei oder drei solcher Beschreibungen übernehmen und dies jeweils auf Flipchartpapier tun. Die Beschreibungskriterien könnten sein: Bezeichnung der Clique, Äußeres, Verhalten, Musik, Treffpunkte. Möglicherweise können weitere Kriterien hinzugefügt werden, wie z.B. Weltbild, Politik etc. Die Kleingruppen ziehen sich zurück (zwei bis vier Jugendliche pro Kleingruppe, je nach Größe der Gesamtgruppe) und füllen das Raster aus.

Nun werden alle Einzelbeschreibungen auf Flipcharts aufgehängt. Schaut euch das Gesamtbild an und diskutiert, was dafür sorgt, dass ihr euch einer Gruppe oder Gemeinschaft zugehörig fühlt. Tragt die Ergebnisse ins ePartool ein.

Gruppengröße: 10-20
Dauer: ca. 90 Minuten
Material: Karten, Filzstifte und Stellwände, Flipchartpapier für die Gruppenarbeit

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung


Meine Heimat

Heim ... Heimatstadt ... heimatlos ... Heimweh ... heimelig ... Heimaturlaub ...  was ist Heimat?  Ist es der Ort, wo du geboren wurdest oder wo du wohnst? Oder ist es deine Muttersprache ... deine Familie.... Deine Freunde ... der Geschmack des Lieblingsessens ... der Geruch von frisch gemachtem Kaffee oder Tee ... dein Gebet ... deine Lieblingsplätze ...  oder einfach die Bäckerei um die Ecke?

Aufgabe 1: Sucht mit einer Kamera nach Plätzen, an denen ihr Heimat spürt und fotografiert diese Orte. Vielleicht sind dies auch Dinge oder Menschen, die für euch einen persönlichen Wert besitzen und daher ein Symbol für Heimat sind.

Aufgabe 2: Tauscht euch darüber aus, was für euch Heimat ist. Ihr könnt die Fotos auch mit Texten ergänzen und eine eigene Ausstellung daraus machen.

Aufgabe 3: Befragt eure Eltern oder Großeltern, was für sie Heimat bedeutet. Welche Werte und Dinge sind ihnen wichtig? Diskutiert, ob sich diese Punkte von euren unterscheiden.

Zum Hintergrund: Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Wort „Heimat“ hauptsächlich in juristischen oder geografischen Zusammenhängen genutzt und mit Geburtsort oder Herkunftsland gleichgesetzt. Voraussetzung für die Zuerkennung eines Heimatrechts war in der Regel der Nachweis von Besitz. Heute bezeichnen wir als „Heimat“ nicht unbedingt nur den Geburtsort, sondern Bezugsorte, wo „unsere Wurzeln haften“. Dies können tatsächliche Orte sein oder Menschen, Gegenstände, Gerüche, Geräusche, die uns ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln und uns Halt geben. Oft ist es eine Mischung aus vielen Dingen. Für Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt auf Dauer wechseln, insbesondere wenn sie in ein anderes Land ziehen, führt es nicht selten zum Gefühl der Zerrissenheit zwischen zwei Welten. Wichtig, um sich auch in der neuen Heimat zu Hause zu fühlen, ist, die vielen positiven Heimaterinnerungen und -symbole der alten Heimat mit denen der neuen Lebenswelt verbinden zu können. Nur wenn diese in der neuen Gesellschaft akzeptiert werden, kann man sich als Teil der neuen Heimat fühlen.

Quelle: Landesjugendring NRW, Ideen- und Methodensammlung: Interkulturelles Lernen und Interkulturelle Öffnung in der Jugendverbandsarbeit


Ich oder Ich nicht?

Im Raum werden zwei Schilder aufgehängt, eines mit „ICH“, eines mit „ICH NICHT“ beschriftet. Die Gruppenleitung stellt nun verschiedene Fragen, die Teilnehmenden positionieren sich entsprechend bei den jeweiligen Schildern. Wer sich nicht entscheiden kann, darf sich auch einen Platz dazwischen aussuchen.

Beispiele für Fragen:

  • Wer ist Frühaufsteher?
  • Wer kann mehr als zwei  Sprachen sprechen?
  • Wer gehört einer Religionsgemeinschaft an?
  • Wer hat mehr als zwei Geschwister?
  • Wer treibt regelmäßig Sport?
  • Wer spielt ein Instrument?
  • Wer ist in Deutschland geboren?
  • Wer lebt immer noch an dem Ort, wo er/sie auch geboren wurde?
  • Wessen Vater oder Mutter stammt aus einem anderen Land?
  • Wessen Großeltern stammen aus einem anderen Land?
  • Wer ist Vegetarier_in?
  • Wer trinkt keinen Kaffee?
  • Wer ist Linkshänder_in?

Ziele der Übung: Es geht darum, wahrzunehmen,  

  • wie verschieden und vielfältig die Gruppe ist;
  • dass jeder gleichzeitig vielen verschiedenen Gruppen angehört;  
  • dass jeder manchmal der Mehrheit, manchmal der Minderheit angehört;
  • das verschiedene Gruppen in der Gesellschaft unterschiedlich (positiv/negativ) bewertet werden.  

Auswertung: Zur Auswertung können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Wie ist es den Teilnehmenden bei der Zuordnung gegangen? War die Zuordnung immer einfach?
  • In welcher Gruppe haben sich die  Teilnehmenden am häufigsten wiedergefunden? War dies eher die Mehrheit oder die Minderheit? Bei welchen Fragen hat dies überrascht?  
  • Mit wem hatten die Teilnehmenden viele Übereinstimmungen, mit wem nicht?  
  • Wie ist es den Teilnehmenden ergangen, die sich nicht eindeutig positionieren konnten oder wollten? War dies einfach?

Quelle: Landesjugendring NRW, Ideen- und Methodensammlung: Interkulturelles  Lernen  und  Interkulturelle Öffnung in der Jugendverbandsarbeit


WG-Leben - zusammen ist besser als allein?!

Am Beispiel einer WG werden in der Gruppe Regeln für das Zusammenleben aufgestellt und anschließend auf die „Wohngemeinschaft“ Deutschland übertragen. Dazu überlegt ihr euch zunächst, welche für alle geltenden Regeln in einer WG notwendig sind für ein harmonisches Zusammenleben.  

Stellt euch vor, ihr zieht mit fremden Menschen in eine Wohngemeinschaft. Wie könnte das Zusammenleben aussehen? Was müsste vorher geklärt werden? Welche Voraussetzungen sind unbedingt notwendig, damit das WG-Leben gut funktioniert?

Zeichnet ein großes Raster auf ein Plakat, in dem die unterschiedlichen Bereiche durch „Zimmer“ symbolisiert sind. Dort könnt ihr Aspekte wie zum Beispiel Toleranz, Sprache/Kommunikation, Regeln für gemeinschaftlich genutzte Räume und das Zusammenleben, Übertragung von Aufgaben, Freiheit und Privatsphäre im eigenen Zimmer usw. eintragen.

Überlegt dann,

  • welche Regeln man auf ein Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft übertragen könnte,
  • wo ihr Herausforderungen oder Probleme seht und
  • welche Vorschläge ihr für ein gutes Zusammenleben sich daraus ergeben.

Tragt eure Ergebnisse anschließend ins ePartool ein.

Gruppengröße: 10-20
Material: Plakate, Stifte, eventuell Pinnwand

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung


Vielfalts-Bingo

Jedes Feld auf dem Bingo-Fragebogen repräsentiert eine Dimension von Vielfalt. Ihr könnt im ersten Schritt alle Felder ankreuzen, die auf euch selbst zutreffen. Anschließend wird versucht, Kreuze durch andere zu bekommen (durch Zustimmung zur Frage). Dazu bewegt ihr euch im Raum und befragt euch gegenseitig. Alle können frei entscheiden, ob sie die Fragen ehrlich beantworten oder nicht (für die Dauer des Spiels sollten die Fragen allerdings konsequent einheitlich beantwortet werden). Das Spiel ist nach 7 bis 10 Minuten beendet – oder aber wenn eine Person senkrecht, waagerecht oder horizontal eine Reihe vollständig angekreuzt hat.

In der anschließenden Reflexion geht es vor allem darum, welche Strategie angewendet wurde, um Kreuze zu bekommen. Wer ist nach vermeintlich äußerlichen Merkmalen vorgegangen? Welche Bilder bestehen in unseren Köpfen, wie beispielsweise eine Person, die sich vegetarisch ernährt oder einen deutschen Pass hat, aussieht? Kann man solche Merkmale äußerlich erkennen? Wer hat nach Effektivität und vermeintlicher Erfolgsgarantie gefragt? Wer hat allen Personen alle Fragen gestellt, weil eigentlich alle Aspekte auf jede Person zutreffen könnten?

Folgende Fragen können bei der Auswertung des Spiels helfen:

  • Wie ging es dir während der Übung?
  • Wie bist du bei der Suche nach Kreuzen vorgegangen?
  • Wie hast du die anderen Personen wahrgenommen?
  • Wie wurdest du von den anderen Personen wahrgenommen und welche Vermutungen gab es über dich? Hast du dich falsch eingeordnet gefühlt?
  • Hast du dich unbehaglich gefühlt, Menschen zuzuordnen bzw. zugeordnet zu werden?
  • Gab es Vielfaltsdimensionen, bei denen du gezögert hast zu fragen? Wenn ja, welche und warum?

Zeit: ca. 20 Minuten (7 bis 10 Minuten für die Spieldurchführung, 10 Minuten für die Auswertung)
Materialien: ein Bingo-Fragebogen pro Teilnehmer_in, Stifte.

Quelle: Landesjugendring Berlin

 

Du kommst hier nicht rein

Überlegt euch in Kleingruppen unter dem Aspekt „Du kommst hier nicht rein!“ zu verschiedenen Situationen (z.B. Club, Ausbildungsplatz/Bewerbung, Clique, Sportverein, Wohnungssuche,…), welche Bedingungen man erfüllen muss, um in der Gesellschaft dazuzugehören bzw. welche verhindern, dass man aufgenommen wird.

Eigene Erfahrungen können, müssen aber nicht dabei einfließen. Mögliche Ausgrenzungsfaktoren sind zum Beispiel: Sprache, Kleidung, Aussehen, Sportlichkeit, soziale Herkunft bzw. Schichtzugehörigkeit, Religion, Geld usw. Erstellt dazu eine Mind Map.

Nach der Gruppenphase werden die verschiedenen Mind Maps der gesamten Gruppe vorgestellt. Danach wird geschaut, welche Eigenschaften häufiger genannt wurden und wie man sie zusammenfassen könnte (z.B. dunkle Haare/Haut, fehlende Sprachkenntnisse usw. zu „Migrationshintergrund“).

Diskutiert, warum es zu dieser Ausgrenzung kommt und was getan werden muss oder kann, um Ausgrenzung zu verhindert. Tragt eure Antworten abschließend ins ePartool ein.

Gruppengröße: 10-20,
Material: Moderationskarten in ausreichender Zahl; Stifte in verschiedenen Farben für alle (evtl. Textmarker); Pinnwände oder Papierbögen/Wandzeitung zur Ausstellung der Mind Maps; Pinnnadeln oder Klebestifte

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung


Rollenspiele

Zur Einstimmung fragt die Gruppenleitung die Teilnehmenden, ob sie sich Situationen vorstellen können, in denen Menschen von anderen aus einer Gruppe ausgegrenzt werden und wie man sich selbst in solchen Situationen verhalten könnte. Danach wird die Gruppe in Kleingruppen aufgeteilt. Jeder Gruppe wir eine Situation zugewiesen (siehe unten).Es kann auch sehr interessant sein, wenn mehrere Gruppen dasselbe Beispiel erarbeiten.

Die Gruppen erhalten die folgende Aufgabe: „Spielt diese Szenen nach, denkt euch dann eine Lösung für die Situation aus und spielt diese ebenfalls durch. Am besten spielt ihr die Szene in der Kleingruppe zwei-, dreimal durch, damit sich alle sicher in ihrer Rolle fühlen. Wenn jemand Schwierigkeiten mit seiner Rolle hat, dann überlegt gemeinsam, was diese Rolle ausmacht und wie man sie spielen könnte. Oder vielleicht tauscht ihr einmal die Rollen untereinander, vielleicht kann sich ein anderer besser in die Rolle hineinversetzen.“

Die Gruppen sollten genug Zeit erhalten, damit sie sich mit der Situation und mit den einzelnen Rollen auseinandersetzen können. Die Kleingruppenarbeit sollte etwa eine halbe Stunde dauern. Dann stellen die Gruppen ihre Ergebnisse vor. Im Anschluss erfolgt eine Auswertung, zum Beispiel mit den folgenden Fragen:

  • Wie habt ihr euch in euren Rollen gefühlt?
  • Was war einfach, was schwierig?
  • Waren die Situationen realistisch?
  • Waren die Lösungen realistisch? Warum oder warum nicht?
  • Was hätte man sonst noch tun können?

Situationen für Rollenspiele:

  1. Ballspiel: Ein Volleyballspiel: Chris hat Schwierigkeiten, die Angaben zu machen. Er bekommt den Ball meistens nicht über das Netz. Als er sich wieder für eine Angabe bereitmacht, frozzeln Max und Daniel vom gegnerischen Team: „Vergiss es. Der kriegt ihn niemals über das Netz.“ Spielt diese Szene erneut durch, diesmal mit Sebastian, einem der besten Sportler der Schule bei der Angabe, der Chris hilft. Hebt in der Diskussion den Unterschied zwischen den beiden Szenen hervor.
  2. Hänseln: Tobias ist neu in der Schule und fängt gerade an, Freunde zu finden. Die Gruppe von Jungen, die er kennengelernt hat, hänselt immer andere Kinder. Tobias findet das nicht gut, will aber seine neuen Freunde nicht verlieren. Fragen für die anschließende Diskussion: Was ist das Problem? Welche Wahl hat Tobias in dieser Situation? Bist du jemals in der gleichen Situation wie Tobias gewesen? Wie hast du dich verhalten?
  3. Diskriminierung: Janine, Sandra und Lisa sind gute Freundinnen und haben ihren eigenen Klub gegründet. Sie haben beschlossen, Saskia in den Klub aufzunehmen, weil sie sie mögen, aber nicht Halide. Halide denkt, dass sie ausgeschlossen wird, weil sie Türkin ist. Saskia und Sandra finden es nicht richtig, Halide auszuschließen, aber Janine und Lisa sehen das anders. Fragen für die anschließende Diskussion: Was ist das Problem? Was können Saskia und Sandra tun? Was ist eine Clique? Und wie würdest du die Handlungsweise von Janine und Lisa nennen?

Dauer:  ca. 1,5 bis 2 Stunden
Gruppengröße: ab 10
Material: Kopien der Rollenspiele

Quelle: Bertelsmann-Forschungsgruppe Politik (Hrsg.): Eine Welt der Vielfalt. Ein Trainingsprogramm des A WORLD OF DIFFERENCE-Institute der Anti-Defamations-League New York. In der Adaption für den Schulunterricht. Gütersloh 1998.

 

Soundgame

Bereits vorher werden die Teilnehmenden gebeten, eines ihrer Lieblingslieder auf CD oder als mp3-Datei an die Seminarleitung weiterzuleiten. Nur die Seminarleitung darf (und muss) wissen, welches Lied zu welcher Person gehört. Gegenüber dem Rest der Gruppe ist die Wahl geheim zu halten.

Zu Beginn der Übung werden an den Wänden, in gleichen Abständen verteilt, die Fotos/Bilder und Namen der Teilnehmenden aufgehängt. Besonders schön ist es, wenn von jeder Person während des Seminars ein Foto gemacht wurde, welches nun ausgedruckt zur Verfügung steht. Alternativ können sich die Teilnehmenden im Blitzpainting gegenseitig porträtieren. Wichtig ist, dass die Namen von weitem gut lesbar sind. Bei größeren Gruppen ist es hilfreich, die Fotos/Bilder in alphabetischer Reihenfolge aufzuhängen, so dass die Orientierung etwas leichter ist.

Nun werden nacheinander für jeweils eine Minute die Lieder laut angespielt und die Teilnehmenden laufen (oder tanzen) dabei im Raum. Während sie es hören, sollen sie versuchen für sich alleine einzuschätzen, wer dieses Lied als Lieblingslied ausgewählt hat und sich zu dem Bild/Namen dieser Person stellen. Nach einer kurzen Pause wird der nächste Song gespielt, ohne dass eine Auflösung erfolgt. Bei diesem gesamten ersten Teil der Übung wird nicht gesprochen und auch nicht nonverbal miteinander diskutiert.

Die Seminarleitung sollte dazu sagen, dass es eine unmögliche Aufgabe ist, die Lieblingsmusik  von Menschen zu erraten, aber dass wir beim Hören durchaus Ideen haben werden, wer das Lied mitgebracht haben könnte oder wer es unserer Meinung nach nicht hören würde. Es sollte an dieser Stelle deutlich werden, dass es sich um eine Methode handelt, die uns zum Thema Vorurteile, Zuschreibungen, Schubladendenken führt, worüber später reflektiert wird. Wichtig ist es dabei, die Teilnehmenden zu ermutigen, das Auftauchen von Vorurteilen und Zuschreibungen in ihren Köpfen zuzulassen und zu bemerken.

Vielleicht ist es notwendig, darauf hinzuweisen, dass diejenigen, deren Lieblingslied gerade gespielt wird, sich möglichst nichts anmerken lassen und sich zu einem anderen Namen positionieren.

Nun kommt der Moment der Auflösung!
Dafür spielt die Seminarleitung noch einmal jedes Lied kurz an und die Person, die dieses Lied mitgebracht hat, steht kurz auf. Sie kann nun, wenn sie möchte, der Gruppe erzählen, was dieses Lied für sie bedeutet und warum sie es als eines ihrer Lieblingslieder versteht. Vermutlich wird es so einige Überraschungen geben.

Auswertung: Der erste Teil der Auswertung beginnt direkt nachdem alle Titel gespielt wurden und die Gruppe (vielleicht nach einer kleinen Pause) wieder im Kreis zusammengekommen ist.

  • Wie geht es euch? Was beschäftigt euch?
  • Wie habt ihr die Entscheidung getroffen, wessen Lieblingslied das sein könnte?
  • Auf welche Schubladen habt ihr dafür zurückgegriffen? Welche Aspekte habt ihr für den  Versuch der Orientierung herangezogen? (z.B. Gender, Herkunft, Sprache, Kleidung, Frisur, Schuhe, Inhalt des Texts, Körpergröße, ...)
  • Wie ging es euch, wenn Leute bei eurem Namen standen? (Bei eurem Lied? Bei einem ganz anderen?)
  • Was hat euch überrascht?

Die Reflexion sollte verdeutlichen, wie Vorurteile funktionieren, auf welche Weise wir davon profitieren und welche Effekte sie dann für mich haben, wenn ich damit gemeint bin. Wichtig ist zu betonen, dass Vorurteile keine persönliche Fehleinschätzungen sind, sondern gesellschaftlich geteilte Bilder über Menschen, die in eine Schublade gesteckt werden.

Die Seminarleitung sollte bei der Auswertung darauf achten, dass die Selbstverständlichkeit der Zuordnungen tatsächlich in Frage steht. Es ist hilfreich, auf konkrete Formulierungen hinzuweisen und zu verdeutlichen, welchen Unterschied es macht, ob eine Person sagt: „Das war mir sofort klar, dass dieses Lied von Pedro sein muss, weil er ja so ein Metal-Fan ist“ oder „Bei dem Lied ist bei mir sofort ein Bild von Metal-Fans aufgetaucht und in diese Schublade habe ich Pedro direkt auch gesteckt. Aber ich weiß ja gar nicht, ob das stimmt“

Gruppengröße: 12 bis 20 Personen
Alter: ab. ca. 12 Jahren
Zeit: ca. 2 Stunden
Material: CD-Player mit mp3-Funktion oder Laptop mit Anschluss an Lautsprecher; Sammlung der Lieblingslieder der Teilnehmenden; je ein Foto der teilnehmenden Personen oder Papier und dickere Stifte; ein ausreichend großer Raum

Quelle: Anne Sophie Winkelmann: MORE THAN CULTURE Diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit, Hrsg.: JUGEND für Europa, S. 201


Außenseiterballspiel

Es werden drei Freiwillige gesucht, die gebeten werden für 5 Minuten den Raum zu verlassen. Sie erhalten keine weiteren Anleitungen oder Informationen zum Spiel.

Die im Raum verbliebenen Teilnehmenden stellen sich in einem Kreis auf und entwickeln Regeln für ein Ballspiel, das sie nun spielen werden. Beispielsweise: Der Ball wird so in der Gruppe geworfen, dass jeder nur einmal den Ball bekommt. Dadurch ergibt sich eine bestimmte Reihenfolge und die Person, die beginnt, ist auch die Person, die den Ball als Letztes bekommt. Je nach Geübtheit können mit den Bällen bis zu drei verschiedene Bahnen geworfen werden und kann die Geschwindigkeit gesteigert werden.

Nacheinander werden die Freiwilligen kommentarlos wieder zurück in den Raum geführt. Wenn alle drei wieder zurück sind, wir das Spiel nach einigen Runden beendet.

Nach Ende des Spieles setzen sich alle Teilnehmenden im Kreis zusammen und die Reflexion beginnt.
Mögliche Reflexionsfragen:

  • Wie war das Gefühl zu einer Gruppe zu stoßen, die gerade ein Spiel spielte, dessen Regeln man nicht kannte?
  • Wie war das Gefühl, dass plötzlich neue Menschen zum Spiel dazu gestoßen sind?
  • Wie haben die Spielenden und die Neuankömmlinge reagiert?
  • Beteiligte man sich sofort oder wurde abgewartet?
  • Haben sich die Neuankömmlinge untereinander verbündet?
  • Wurden sie überhaupt ins Spiel eingebunden?
  • Was habt ihr euch in der Situation gewünscht?
  • Was hat das Spiel mit „fremd sein“ zu tun?

Nachbereitung: Folgende Fragen können anschließend diskutiert werden: Wurden Teilnehmende durch das Spiel an bestimmte Situationen, die sie als ausgrenzend erlebt haben, erinnert und möchten der Gruppe davon erzählen? Welche Gruppen und Personen sind in unserer Gesellschaft/in unserem Lebensumfeld von Ausgrenzung betroffen?

Gruppengröße: 8-25
Dauer: 20 Minuten
Material: 2-3 kleine Bälle, z.B. Jonglierbälle

Quelle: Bundesjugendvertretung: Toolbox Flucht  Asyl Migration - Methoden für die Jugendarbeit


Das ist meine Position!

Ein Gegenstand oder Symbol, der mit dem Thema gesellschaftliche Herausforderungen in Deutschland und Europa zu tun hat, wird in die Mitte des Raumes gelegt. Nun stellt sich jede_r Teilnehmende in einem selbst gewählten Abstand zum Gegenstand auf. Mit der Position wird die jeweilige Nähe bzw. Distanz zum Thema ausgedrückt.

Nähe und Distanz können auch Einverständnis oder Nicht-Einverständnis, Wohlbefinden oder Unbehagen, Zufriedenheit oder Unzufriedenheit ausdrücken. Den Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt. Haben alle Teilnehmenden ihre Position eingenommen, begründet jede_r die Entscheidung kurz in einem Satz.

Wenn ihr wollt, markiert ihr eure Position mit einem Stück Klebeband oder mit einem Klebezettel. So kann eure Meinung „eingefroren“ werden. Danach kann eine neue Runde angesetzt werden, in der alle wiederum ihre Position, aber diesmal mit einer anderen Farbe markieren. So können Veränderungen im Meinungs- oder Stimmungsbild visualisiert werden.
Sammelt, welche Herausforderungen eure Gruppe besonders beschäftigen und warum. Überlegt auch, was euch helfen würde, mit diesen Herausforderungen umzugehen und tragt eure Ergebnisse ins ePartool ein.

Gruppengröße: 5-40
Material: symbolische Gegenstände, ggf. Klebeband/Klebezettel

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Weitere Methoden zum tieferen Einsteigen

Materialien zur interkulturellen Arbeit:

  • MORE THAN CULTURE Diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit, Anne Sophie Winkelmann, JUGEND für Europa. Diese Handreichung möchte erklären, was eine diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit bedeuten kann. Der Anspruch ist, diese Perspektive, die Haltung und die Themen, die damit zusammenhängen, so zu beschreiben, dass der Ansatz auch für Menschen ohne umfassende (pädagogische) Fachkenntnisse verständlich und für die eigene Praxis und Selbstreflexion nutzbar ist.

  • Methodenbox Interkulturell, IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. Um das interkulturelle Lernen im Rahmen von internationalen Begegnungen zu fördern, können verschiedene Übungen und Spielen eingesetzt werden, die die Teilnehmer_innen dabei unterstützen, Fremde und Fremdes besser zu verstehen, Toleranz und Fähigkeit zu konstruktiver Zusammenarbeit zu entwickeln, mitzubestimmen und Verantwortung zu übernehmen. In der Methodenbox findet Ihr eine große Auswahl an Übungen und Spielen zum interkulturellen Lernen.

Materialien zu europäischen Impulsen:

  • Methodenbox Europa, Die europäische Dimension erlebbar machen; Jugend für Europa. In der Methodenbox Europa findet Ihr verschiedene Methoden zur Umsetzung der europäischen Dimension in Jugendbegegnungen, Seminaren und Fortbildungen. Die Spannbreite reicht vom 5-minütigen Icebreaker bis hin zum mehrstündigen Simulationspiel. Die Suchfunktion ermöglicht es alle Methoden zu einer der vorgegebenen Kategorien anzeigen zu lassen.

Materialen zur Arbeit mit Geflüchteten:

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    Arbeitshilfe "Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen", Bund der Deutschen Katholischen Jugend Diözesanverband Regensburg. Arbeitshilfe des BDKJ zu einer großen Aktion für und mit Geflüchteten beinhält Basisinformationen, Glossar zum Thema Asyl, ABC der interkulturellen Begegnung, unterschiedlichen Methoden und das Wichtige was man bei der Planung und Durchführung von einem Projekt beachten muss.

  • Arbeitshilfe "Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten", Deutscher Bundesjugendring. Die Broschüre ist eine Arbeitshilfe für alle verbandlichen Ebenen. Sie leistet einen Beitrag zur interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit für die Belange von Kindern und Jugendlichen ohne gesicherten Aufenthaltstitel. Beschrieben werden die Situation junger Geflüchteter, das Asylverfahren sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen. In der Broschüre findet man die Beispiele aus der Praxis jugendverbandlicher Arbeit.

  • Toolbox “Flucht – Asyl – Migration”, Bundesjugendvertretung. Die Hintergrundinformationen, Materialien und Aktivitäten der Toolbox richten sich an alle, die mit jungen Menschen vertiefend das Thema erarbeiten möchten. Sie eignen sich als Einstiegsspiele, zur Reflexion, zur Sensibilisierung oder auch für die Planung weiterer Aktivitäten der Jugendgruppe(n).

Materialien zur Inklusion:

  • Arbeitshilfe „hochINKLUSIV – Mittendrin statt außen vor“,  Deutscher Bundesjugendring. Inklusion – Was heißt das überhaupt? Wen geht Inklusion etwas an? Wie sieht eine inklusive Gesellschaft aus? Und was hat das mit dem Strukturierten Dialog zu tun? Auf diese und weitere Fragen gibt die 56-seitige Broschüre Antworten. Mit ihr wollen wir euch den Einstieg in den Strukturierten Dialog zur Inklusion junger Menschen erleichtern und Handwerkszeug für die thematische Auseinandersetzung mit auf den Weg geben.

  • Methoden für die Jugendleiter_innen-Ausbildung, Praxishandbuch Juleica-Ausbildung in Berlin. Zahlreiche Methoden zu unterschiedlichen Ausbildungsinhalten der Juleica werden beschrieben und um Arbeitsunterlagen für Teamer_innen und Teilnehmer_innen ergänzt. Zusätzlich hält das Praxishandbuch zahlreiche Hintergrundinformationen zu Zielen und Inhalten der Juleica-Ausbildung sowie beispielhafte Ablaufpläne bereit. 

Sonstiges:

  • Ziel: Gruppe. Ein Methoden-Mitmach-Buch, Deutscher Bundesjugendring. Das Methoden-Mitmach-Buch könnt Ihr selbst gestalten und es zu Eurem Gruppenbuch machen. Außerdem könnt Ihr darin Eure liebsten Methoden für die Gruppenarbeit notieren.