Schule

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Junge Menschen1 wollen Bildung, die sie auf die Zukunft und das Arbeitsleben vorbereitet, sie wollen aber auch ihre eigene Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten entfalten. Sie wünschen sich Schule als einen Ort des ganzheitlichen Lernens, Lernen soll Spaß machen und in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattfinden.

Vieles davon ist weit entfernt von dem, wie die jungen Menschen ihren Alltag wahrnehmen. Sie fühlen sich oft gestresst und bevormundet und nur danach bewertet, ob sie den Lernstoff korrekt wiedergeben. Die Lerninhalte werden ihnen vorgeschrieben und sie sehen kaum Möglichkeiten, ihre eigenen Schwerpunkte zu setzen.

„Weniger Leistungsdruck in der Schule, um besser und mit mehr Spaß lernen zu können!“

Beitrag aus der Beteiligungsrunde „Das muss sein – Demografiepolitik jugendgerecht gestalten

Junge Menschen wünschen sich eine grundsätzliche Veränderung der Atmosphäre an Schulen und stellen dafür konkrete Forderungen:

  • weniger Leistungsdruck durch die Abschaffung von Noten.
  • späterer Schulbeginn (ab neun Uhr).
  • Freiraum für Freizeit, Hobbies und Ehrenamt durch einen freien Nachmittag pro Woche.
  • Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9.
  • Ausstattung der Schulen mit moderner Technik und eine flächendeckende Sanierung der Gebäude.
  • Räume für Ruhe an Schulen, kleinere Klassen.
  • manche junge Menschen fordern mehr Entscheidungsfreiheiten für die Schulen bezüglich der Rahmenpläne, andere wünschen sich eine deutschland- oder europaweite Vereinheitlichung der Lerninhalte.

Alexis Brown/unsplash.com

Bildung soll für alle möglich sein

Der Zugang zu Bildung ist für junge Menschen ein Topthema. Sie sehen, dass Kinder mit Migrationshintergrund benachteiligt werden und dass das Bildungsniveau noch immer stark vom Einkommen und den Unterstützungsmöglichkeiten der Eltern abhängt. Inklusives Lernen, das auf die individuellen Fähigkeiten der Schüler_innen eingeht, sei in den meisten Schulen nicht möglich.

Daher fordern junge Menschen:

  • kostenlose Bildung und Lernmaterialien für alle.
  • mehr Stipendien und ein höheres BAFöG für mehr Studierende und Schüler_innen.
  • möglichst langes gemeinsames Lernen.
  • mehr Unterstützung für Schüler_innen mit besonderen Bedarfen.
  • vielfältige Bildungsmöglichkeiten nah am Wohnort, Schulschließungen durch die Gründung von Schulverbänden und die multifunktionale Nutzung von Gebäuden vermeiden.
  • Übergänge zwischen verschiedenen Schulformen sollen erleichtert werden und kein Stigma sein, Unterbrechungen müssen möglich sein.
Vielfalt

Individualität statt Zielerreichung

Junge Menschen wollen während des Unterrichts Freiräume haben, um selbstbestimmt Problemen und Fragestellungen nachgehen und eigene Lösungen entwickeln zu können. Dabei wollen sie eigenständig Entscheidungen treffen, Fehler machen dürfen und in ihrem eigenen Tempo lernen. Der Lernstoff soll zwischen den einzelnen Fächern verknüpft sein und keine Trennung zwischen theoretischem und praktischem Wissen erfolgen. Sie wünschen sich auch in der Schule praktische Fähigkeiten wie Handarbeiten zu erlernen und durch mehr Projekttage ihre Kreativität entwickeln zu können. Beim Lernen wollen sie individuelle Fortschritte machen und nicht allein anhand der Erreichung bestimmter vorgegebener Ziele beurteilt werden.

„Der Fokus von Bildung sollte auf der Entwicklung von Interessen und Stärken liegen, Menschen dürfen nicht als wirtschaftliches Kapital betrachtet werden.“

Beitrag aus der Beteiligungsrunde „Ausreichend wertgeschätzt? Anerkennung der außerschulischen Bildung“

Von Lehrer_innen wünschen sich junge Menschen, dass sie Bildung auf Augenhöhe ermöglichen, indem diese die Jugendlichen begleiten, statt diese anzuleiten. Um eine bessere Beziehung aufzubauen wünschen sie sich individuelle Sprechstunden.

Anerkennung außerschulischer Bildung

Junge Menschen wollen aktiv sein in Verbänden und Vereinen und empfinden das, was sie dort lernen, als wertvolle Ergänzung zu den Lerninhalten der Schule. Daher wünschen sie sich mehr Freiraum und Zeit für dieses Engagement. Gleichzeitig wollen sie, dass die Fähigkeiten und das Wissen, dass sie sich dabei aneignen, stärker als bisher gewürdigt und anerkannt werden. Dies könne zum Beispiel bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz berücksichtigt werden. Eine nachhaltige und dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Schulen und den Akteuren der nicht-formalen Bildung wie Jugendverbänden soll sicherstellen, dass Methoden der nicht-formalen Bildung Eingang in den Schulunterricht finden. Schulen sollten außerdem verstärkt für die Angebote außerschulischer Bildung werben und es sollte eine bundesweit einheitliche Regelung zur Freistellung für ehrenamtliches Engagement entwickelt werden.

Vorbereitung auf das Berufsleben

Junge Menschen wollen besser auf die Berufs- und Studienwahl vorbereitet werden. Deshalb wünschen sie sich Berufsberatung als festen Bestandteil des Unterrichts und Kontaktpersonen der Berufsberatungsstellen an den Schulen. Sie wollen auch über ideelle und finanzielle Förderungsmöglichkeiten für die Zeit nach dem Abschluss informiert werden. Durch Kooperationen der Schulen mit Betrieben und größere Zeiträume für Praktika wünschen sie sich einen tieferen Einblick in das Arbeitsleben und einzelne Berufsfelder.

Engagement Beschäftigung und Ausbildung

Partizipation

Die Schule ist für Jugendliche nicht nur Ort der reinen Wissensvermittlung, sondern dort wollen sie auch Partizipation erlernen und ausprobieren können. Neben dem Wissen über Möglichkeiten der Beteiligung in der Schule und der gesamten Gesellschaft wünschen sie sich auch, dass sie ganz konkret lernen, diese zu nutzen.

Deshalb fordern sie:

  • Schüler_innen sollen über Lerninhalte und Lernmethoden mitbestimmen können und auch darüber, wie die Rahmenbedingungen des Lernens besser an sie angepasst werden können.
  • Beteiligungsmöglichkeiten an Schulen sollen auf alle Schüler_innen ausgeweitet werden und nicht bloß den gewählten Vertreter_innen vorbehalten bleiben.
  • Schule muss der Ort sein, an dem das Interesse für und das Wissen über Politik vermittelt werden und gesamtgesellschaftliche Beteiligung erlernt wird. Deshalb fordern junge Menschen, dass politische Bildung ernster genommen wird, dass alle Schüler_innen Zugang zu aktuellen Informationen erhalten und lernen, diese kritisch zu bewerten.
  • Trainings sollen junge Menschen befähigen, sich aktiv an Beteiligungsaktivitäten zu beteiligen.
  • Durch eine Entschlackung der Lehrpläne soll es ermöglicht werden, Partizipationsprojekte auch an Schulen durchzuführen.
Beteiligung

1Seit 2010 haben junge Menschen an den Beteiligungsprojekten des DBJR teilgenommen. Ihre Positionen zu (jugend)politischen Themen wurden gesammelt und in Politikprozesse eingebracht (››Prozesse). Dabei herausgekommen ist eine Bandbreite an Forderungen, die nicht repräsentativ sind, aber einen Einblick in die Themen geben, die den Teilnehmenden wichtig sind (››junge Themen).