Politische Bildung

MehralsnurUnterricht!

Politische Bildung

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Junge Menschen1 äußern den Wunsch, praxisnah und durch eigene Erfahrungen lernen zu dürfen. Diese Erfahrungen müssen insbesondere im Bereich der politischen Bildung durch aufrichtige Annäherungen von Politik und Schüler_innen ermöglicht werden. Verbindliche Strukturen der Beteiligung, Mitbestimmung und Befähigung selbstständigen Handelns sollten sowohl Ziel als auch Methode politischer Bildung sein. Angebote sollten zudem nicht nur in der Schule stattfinden, sondern an verschiedenen Orten und Bereichen im Leben junger Menschen anknüpfen.

In demokratischen Strukturen wirksam zu handeln und Verantwortung zu übernehmen, ist nach Meinung der jungen Menschen die wirkungsvollste Form der politischen Bildung. Dem an die Politik gerichteten Wunsch nach ehrlicher Jugendbeteiligung in allen Bereichen der Gesellschaft kommt bei jungen Menschen eine zentrale Bedeutung zu. Die Qualität einer Demokratie messe sich auch an den Möglichkeiten der Teilhabe. Dazu gehören Vertrauen und Geduld von Seiten der Entscheidungsträger_innen, Vorbereitung und Befähigung der Kinder und Jugendlichen, aber auch Vermittlung von Medienkompetenzen, kritischen Herangehensweisen und Prozesse der Meinungsbildung. Politische Bildung muss Klarheit und einfachere Zugänge zu aktuellen Themen schaffen. Junge Menschen sehen Politik als ein wichtiges Querschnittthema durch viele Bereiche ihres Lebens, das die Schule bisher (noch) nicht ausreichend bedient.

Lernen um des Lernens Willen reicht insbesondere im Fach Politik nicht aus, damit Schüler_innen das Gelernte auf ihr Leben übertragen können. Schulen müssen die Eigeninitiative junger Menschen fördern und selbstständiges Handeln ermöglichen, darum sollte auch mit politischer Bildung bereits früh begonnen werden. Themen und Methoden des Unterrichts sollten von den Schüler_innen mitbestimmt werden können. Die Qualität der Bildung und Zugang zu Angeboten darf dabei nicht vom Einkommen der Eltern abhängen.

Mehr Austausch mit Politik und Verwaltung

Immer wieder weisen die jungen Menschen darauf hin, dass nur ein ehrliches Interesse von Seiten der Politik dazu führen kann, junge Menschen dauerhaft zu begeistern: Politiker_innen sollten nicht davon ausgehen, dass sie bereits über alles Bescheid wissen oder sich Klischees von Jugend und Jugendbildern hingeben. Gerade bei jungen Themen ist mehr Austausch gewünscht, sodass beide Seiten voneinander lernen können. Oft sei Entscheidungsträger_innen gar nicht klar, welche Themen Kinder und Jugendliche interessieren. Treffen im außerschulischen Rahmen, beispielsweise in Jugendcafés, sollten in einfacher Sprache ermöglicht werden, um offen und unvoreingenommen aufeinander zugehen zu können.

„„Demokratie ist ja eigentlich die Herrschaft des Volkes, und wenn dann jeder mitbestimmt und jeder sich beteiligt, dann ist die Demokratie eher verwirklicht. [...] Dazu gehört auch, dass eine Verbindung hergestellt wird, dass ein Dialog entsteht zwischen dem Volk und den Vertretern.““

Beitrag aus der Beteiligungsrunde „Jung und wählerisch?! Jugendbeteiligung an Wahlen

Damit das friedliche Zusammenleben in einer sich wandelnden und vielfältigen Gesellschaft gelingen kann, sollten Angebote politischer Bildung für alle Bevölkerungsgruppen leichter erreichbar sein. Onlineangebote können dafür ausgebaut und für die Zielgruppen deutlich attraktiver gestaltet werden. Zudem sollten bereits vorhandene Angebote viel bekannter gemacht werden und so stattfinden, dass sie von den Zielgruppen wahrgenommen werden.

Weitere Forderungen junger Menschen dazu:

  • Tägliche Nachrichtenformate (z.B. Tagesschau) mit Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene.
  • Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für Angebote politischer Bildung.
  • Ausbau von Online-Angeboten (und den Zugängen dazu).

Demokratie erleben: Befähigung zur Mitbestimmung ist politische Bildung!

Um sich mit Politik aktiv auseinanderzusetzen, ist es für junge Menschen eine Voraussetzung, dass sie in dabei auch ernst genommen werden. Interesse und Spaß an Demokratie werden über gelingende Mitbestimmungsmöglichkeiten geweckt. So sollten Verwaltungsstrukturen und Beschwerdemechanismen für Jugendliche gut erreichbar sein. Instrumente der Jugendbeteiligung dürfen nicht zu Scheinstrukturen verkommen. Es sollte Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit politischer Zugänge geschaffen werden, ohne dass die Zuständigkeiten ständig wechseln. Von Seiten der Politiker_innen ist unter anderem mehr Transparenz gewünscht, wie Entscheidungen getroffen werden und welche Rolle Jugendbeteiligung in diesen Prozessen tatsächlich einnehmen kann. Junge Menschen wenden sich ab, wenn sie das Gefühl vermittelt bekommen dass sie nichts bewirken oder nur eine Nebenrolle einnehmen. Auch Signale des Wohlwollens sind wichtig: Zum Beispiel, indem Entscheidungsträger_innen einen Schritt auf Jugendliche zu machen und ihnen signalisieren, dass das Engagement junger Menschen gewünscht ist. Verbände und außerschulische Orte, an denen Partizipation bereits gelebt wird, sollten gestärkt werden und im politischen Kontext mehr Anerkennung und Respekt erfahren. Schule muss genügend Freiräume zulassen, damit Kinder und Jugendliche ausreichend Zeit für Engagement haben.

Bildung Beteiligung

Bildungsinhalte mit Bezug zur Realität

Bei der Erstellung von Lehrplänen allgemein, doch besonders hinsichtlich politischer Bildung, sollte darauf geachtet werden, dass vielseitig anwendbare Kompetenzen vermittelt werden. Visionen vom Zusammenleben in der Gesellschaft, in der unterschiedliche Kulturen und Interessen aufeinandertreffen und wirtschaftlich-strategische Entscheidungen getroffen werden, sollten Thema politischer Bildung sein. Stetig steigender Leistungsdruck in der Schule und Auswendiglernen theoretischen Wissens als Methode helfen nicht dabei, kritisches Denken zu lernen oder eigene Visionen und Positionen zu entwickeln. Medienkompetenzen, politischer Aktualität, Politik in sozialen Netzwerken sowie Prozessen der Meinungsbildung wird nicht genug Beachtung geschenkt. Praxis- und Projekttage über den Tellerrand hinaus, auch in Zusammenarbeit mit außerschulischen Partner_innen und anderen Schulen, können die Perspektiven auf ein Thema bereichern.

Wenn Unterricht zudem an die Themen anknüpft, die Kinder und Jugendliche tatsächlich beschäftigen, wird ein persönlicher Bezug zu Politik hergestellt und somit reelles Interesse geweckt. Die Lernerfahrung ist eine Positivere und Nachhaltigere.

Weitere Forderungen junger Menschen dazu:

  • Früherer Einstieg in politische Bildung.
  • Erlernen von Medienkompetenzen und kritischen Umgang mit Informationen.
  • Realitätsnaher Unterricht.
  • Einbindung kommunalpolitischer Themen in die Schüler_innenvertretung.
  • Offenere Gestaltung des Politikunterrichts.
  • Simulationen und Planspiele als Methoden.
  • Selbstbestimmte Findung von Fragen und Lösungsansätzen, bei denen Lehrpersonen begleitende Funktionen einnehmen.

Europa stärker gewichten

Die Europäische Union bestimmt unseren Alltag und politische Entscheidungen maßgeblich mit. Junge Menschen haben den Eindruck, dass Europa im Politikunterricht nicht ausreichend oder nur sehr theoretisch „als ein undurchsichtiger Infoblock“ behandelt wird. Grenzübergreifende Begegnungen bauen Vorurteile ab und ermöglichen die Betrachtung der eigenen nationalen Politik aus anderen, neuen Perspektiven. Europäische Jugendbegegnungen könnten nach Meinung der jungen Menschen inhaltlich ausgebaut werden und zu bestimmten Themen stattfinden. Nach wie vor sind diese Begegnungen aber nicht für alle gleichermaßen zugänglich.

1Seit 2010 haben junge Menschen an den Beteiligungsprojekten des DBJR teilgenommen. Ihre Positionen zu (jugend)politischen Themen wurden gesammelt und in Politikprozesse eingebracht (››Prozesse). Dabei herausgekommen ist eine Bandbreite an Forderungen, die nicht repräsentativ sind, aber einen Einblick in die Themen geben, die den Teilnehmenden wichtig sind (››junge Themen).