Engagement

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Engagement

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Viele junge Menschen1 wollen sich für sich selbst und die Interessen anderer einsetzen. Engagement für die Gesellschaft und außerhalb der Schule ist ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens sei es in Verbänden oder Vereinen, in selbstorganisierten Gruppen, in Jugendeinrichtungen oder der Gemeinde.

Sie eignen sich dabei Fähigkeiten an, die sie in der Schule nicht erlernen. In erster Linie gehört für sie dazu, dass sie ihre Meinung entwickeln und diese vertreten lernen. Sie erreichen etwas im Team, bauen ihre Stärken und ihr Selbstbewusstsein aus und geben ihre Erfahrungen an andere weiter. Rücksichtnahme, einander Helfen und Empathie sind Dinge, die junge Menschen an ihrem Engagement schätzen und in anderen Bereichen ihres Lebens oft vermissen. Nicht zuletzt finden sie in Jugendverbänden und Jugendeinrichtungen geschützte Räume vor, in denen sie offen und kontrovers diskutieren können und damit fit für Beteiligung in der gesamten Gesellschaft werden.

Doch nicht immer sind die Rahmenbedingungen so, wie junge Menschen sie sich für ihr Engagement wünschen. Jugendeinrichtungen fehlt das Geld oder sind im ländlichen Raum viel zu weit vom Wohnort entfernt.

„Pädagogische Begeleitung, Aus- und Fortbildung braucht Kontinuität und Qualität!“

Beitrag aus der Beteiligungsrunde „Das muss sein-Demografiepolitik jugendgerecht gestalten

Die Politik muss nach Ansicht junger Menschen begreifen, dass Jugendhilfe auch wirtschaftlich notwendig ist und mehr Geld darin investieren, dass diese unter guten Bedingungen stattfinden kann.

Deshalb fordern junge Menschen:

  • Mehr Freizeit- und Kultureinrichtungen besonders im ländlichen Raum, leerstehende Gebäude in Jugendtreffs umwandeln, Räume schaffen, die Jugendliche selbst verwalten können.
  • Höhere und leichter zu beantragende Zuschüsse für Projekte von jungen Menschen.
  • Langfristige und strukturelle Förderung von Jugendverbänden und Jugendeinrichtungen.
  • Anerkennung der Jugendverbände als außerschulische Bildungsorte: sie sind bei der Gestaltung der lokalen und regionalen Bildungslandschaften als gleichberechtigte Partner einzubeziehen.
  • Kostenübernahme der Qualifizierung von Ehrenamtlichen.
  • Bessere Förderung von Aus- und Weiterbildungen für Jugendleiter_innen.
Jugendpolitik

Unser Engagement soll anerkannt werden!

Das Engagement junger Menschen und der Fähigkeiten, die sie dabei erlernen, werden ihrer Ansicht nach von der Gesellschaft generell viel zu wenig wertgeschätzt und nicht ausreichend konkret gewürdigt wird. Dies liegt nach Ansicht junger Menschen vor allem daran, dass in unserer Gesellschaft und Wirtschaft allein messbare Leistungen zählen.

„Die Politik soll Hürden für Engagement senken.“

Beitrag aus der Beteiligungsrunde „Das muss sein-Demografiepolitik jugendgerecht gestalten

Daher fordern junge Menschen:

  • Mehr Zeit: ein freier Nachmittag in der Schule und eine bundesweit einheitliche Freistellungsregelung von Schule, Ausbildung und Studium für ehrenamtliches Engagement.
  • Manche junge Menschen fordern ein Grundeinkommen, das es ihnen ermöglicht, sich frei von finanziellen Zwängen zu engagieren.
  • Bestätigungen über ehrenamtliche Tätigkeiten, die nicht vereinheitlicht oder zertifiziert sind, sondern individuell für die entsprechende Person ausgestellt werden.
  • Bezahlter Urlaub für Ausbildungen von Jugendleiter_innen.
  • Vergünstigungen in Bussen und Bahnen sowie bei staatlichen bzw. städtischen (Kultur-) Einrichtungen.ß
  • Vorteile auf dem Arbeitsmarkt für ehrenamtliches Engagement.
  • Mehr positive Öffentlichkeitsarbeit über Menschen, die sich engagieren.
  • Engagement im Sozialversicherungssystem (z. B. bei der Rentenversicherung) oder beim BAFög anrechnen und Steuervergünstigungen gewähren.
Schule Beschäftigung und Ausbildung

CC0

Alle sollen sich engagieren können

Jugendverbände und Jugendeinrichtungen, spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, gesellschaftliche Ausgrenzung junger Menschen zu bekämpfen. Dort können Kinder und Jugendliche erleben, was es bedeutet, angenommen zu werden, dabei zu sein, mitdenken und mitreden zu dürfen. Freizeitaktivitäten, gemeinsame Feiern und Fahrten sowie gemeinschaftliches Arbeiten und Lernen fördern die Zusammengehörigkeit junger Menschen und die Identifikation mit einer vielfältigen Gesellschaft und damit die gesellschaftliche Inklusion.

Junge Menschen fordern daher:

  • Jugendverbände sollten bei der Entwicklung von Maßnahmen, die die Inklusion junger Menschen fördern, eingebunden werden.
  • Jugendverbände und Träger der Jugendarbeit/-hilfe sollten sich aktiv daran beteiligen, wenn regionale bzw. kommunale Strategien für die Inklusion junger Menschen entwickelt werden.
  • Geringere Beiträge für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.
  • Entwicklung eines wissenschaftlichen Nachweises, der die Wirkungen von Jugendarbeit auf die soziale Inklusion junger Menschen bestätigt.

Engagement von Migrant_innen

Der Jugendarbeit kommt nach Meinung der Teilnehmenden bei der Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund eine bedeutende Rolle zu. Diese sollten noch stärker als bisher die Möglichkeit bekommen sich zu engagieren, um ihre Interessen selbst vertreten zu können und ein Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft zu erfahren. Deshalb hätte die Politik die Aufgabe, diese Kinder und Jugendlichen mit den Mitteln der Jugendhilfe zu unterstützen. Selbstorganisierte Gremien, Verbände und Projekte jugendlicher Migrant_innen brauchen eine stärkere finanzielle Förderung. Statt kurzfristig angelegter oder einmaliger Aktivitäten sollten nachhaltige Projekte und Strukturen gefördert werden. Jugendverbände sollten ihre Kontakte zu Verbänden von Migrant_innen ausbauen und gemeinsame Projekte mit diesen durchführen. Gleichzeitig sollten Jugendverbände aber auch überprüfen, ob ihre Angebote tatsächlich für alle zugänglich, gut erreichbar und allen bekannt sind.

Engagement von jungen Menschen in der Ausbildung

Für junge Menschen in der Ausbildung ist es oft besonders schwer, ehrenamtlich aktiv zu sein. Bietet der Schulalltag wenigstens noch ein bisschen Freiraum, um das Engagement zeitlich unterzubringen, ist es in der Ausbildung meist überhaupt nicht möglich. Nach Ansicht junger Menschen reichen rein rechtliche Regelungen – wie beispielsweise Freistellungen – oft nicht aus, um das zu beheben. Denn oftmals würden sich die betroffenen Ehrenamtlichen nicht trauen, die bereits existierenden Möglichkeiten zu nutzen, weil sie berufliche Nachteile fürchten. Dafür bräuchte es ein generelles Umdenken in den Betrieben und die auch öffentliche Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeiter_innen. Eine bundesweit einheitliche gesetzliche Regelung zur Freistellung sehen junge Menschen jedoch als ein wichtiges Signal der Politik an die Unternehmen, damit diese Engagement auch ohne berufliche und finanzielle Nachteile ermöglichen. Zudem sollten die Schutzrechte für Mitglieder der Jugendauszubildendenvertretungen ausgeweitet werden.

1Seit 2010 haben junge Menschen an den Beteiligungsprojekten des DBJR teilgenommen. Ihre Positionen zu (jugend)politischen Themen wurden gesammelt und in Politikprozesse eingebracht (››Prozesse). Dabei herausgekommen ist eine Bandbreite an Forderungen, die nicht repräsentativ sind, aber einen Einblick in die Themen geben, die den Teilnehmenden wichtig sind (››junge Themen).

Vielfalt Beschäftigung und Ausbildung