Qualitätsstandards

QualitätskriterienfürBeteiligungvonKindernundJugendlichen

Qualitätsstandards

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Wir haben aus den Erfahrungen mit Beteiligung in den Jugendverbänden bereits 2002 Kriterien für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen formuliert. Das Bundesministrium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat 2009 die darauf aufbauend „Qualitätskriterien für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“ veröffentlicht. 2014 folgten die Guidelines für gelingende ePartizipation.

Konkreter: Ein im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „Für ein kindergerechtes Deutschland 2005–2010“ (NAP) eingerichteter Arbeitskreis von Expert_innen aus Verbänden, Stiftungen, Wissenschaft und Politik hat sich mit der Qualität von Beteiligungsprozessen auseinandergesetzt. Die Mitglieder des Arbeitskreises erarbeiteten Allgemeine Qualitätsstandards für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie spezifische Standards und Empfehlungen für fünf zentrale Handlungsbereiche (Link zur PDF s.u.). Der Arbeitskreis realisiert damit eine zentrale Forderung des NAP hin zu mehr Kinder- und Jugendgerechtigkeit. – Der DBJR war auch in diesem Arbeitskreis vertreten und brachte u.a. seine Position „Mitwirkung mit Wirkung“ (PDF zum Download s.u.) als Input für die Allgemeinen Qualitätsstandards ein.

Digitale Jugendbeteiligung birgt besondere Herausforderungen

2012 beschreibt der DBJR mit seiner Position „ePartizipation – Beteiligung im und mit dem Internet“ seine Vorstellung von ePartizipation, formuliert Ansprüche und stellt entsprechende Forderungen für ePartizipationsprojekte und -prozesse mit Jugendlichen. Die Jugendverbände und Landesjugendringe im DBJR leisteten damit ihren Beitrag zur Debatte um ePartizipation, auch und gerade weil sie natürlich Orte für Beteiligung sind.

Das Projekt youthpart, ein multilaterales Kooperationsprojekt von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland, wurde ins Leben gerufen, um einen internationalen Dialog darüber zu starten, wie mehr junge Menschen dazu ermutigt werden können, sich an Entscheidungsprozessen in der heutigen digitalen Gesellschaft zu beteiligen. In Kooperation mit seinen europäischen Partnern, dem österreichischen Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, dem British Youth Council, dem spanischen Jugendinstitut (INJUVE), dem Finnish Development Centre for Youth Information and Counselling (Koordinaatti) und der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission haben youthpart und das deutsche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die „Guidelines für gelingende ePartizipation Jugendlicher in Entscheidungsprozessen auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene“ gemeinsam erstellt.

 

Wir wollen die Kriterien für gute Jugendbeteiligung neu zusammen stellen und aktualisieren. Mehr dazu folgt Ende 2017.

 

Die Qualitätskriterien für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen von 2010:

Beteiligung ist gewollt und wird unterstützt – Eine Partizipationskultur entsteht.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist ausdrücklich gewünscht und wird von Entscheidungsträgerinnen und -trägern aktiv unterstützt. Ihr liegt eine breit getragene Konzeption zugrunde, die wichtige strategische Schritte und überprüfbare Ziele formuliert. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wird durch zuständige Ansprechpartnerinnen und -partner sowie durch die Organisation von Netzwerken gefördert. Sie wird durch Regelungen verbindlich gemacht, sodass alle Mitwirkenden in einem verlässlichen Rahmen agieren können. Insgesamt wird eine nachhaltige Partizipationskultur angestrebt.

Beteiligung ist für alle Kinder und Jugendlichen möglich.

Es ist sichergestellt, dass alle Kinder und Jugendlichen mit ihren individuellen Möglichkeiten Zugang zu Partizipationsprozessen haben. Entsprechend sind die Angebote leicht zugänglich und vielfältig im Hinblick auf Themen, Methoden und Formen. Unterschiedliche Bedürfnisse je nach Alter, Geschlecht, ggf. Behinderung, sozialer, kultureller oder ethnischer Herkunft sowie Bildungsstand werden dabei berücksichtigt. Ort und Zeit der Angebote sind so gewählt, dass Kinder und Jugendliche sie gut nutzen können.

Die Ziele und Entscheidungen sind transparent - von Anfang an.

Alle relevanten Akteurinnen und Akteure, insbesondere auch die Kinder und Jugendlichen, werden bei der Klärung der Ziele des Partizipationsvorhabens beteiligt. Die Ziele sind transparent, achvollziehbar und lassen Raum für ausreichende Offenheit im Beteiligungsprozess, auch im Hinblick auf die Ergebnisse. Die Entscheidungen aller Ebenen werden offengelegt. Bei langfristigen Vorhaben werden Teilziele formuliert, um Zwischenerfolge sichtbar zu machen. Darüber hinaus werden die festgelegten Ziele regelmäßig überprüft und aktualisiert.

Es gibt Klarheit über die Entscheidungsspielräume.

Wo Beteiligung angeboten wird, müssen Mitsprache, Mitwirkung oder Mitbestimmung möglich sein. Mit den beteiligten Kindern und Jugendlichen wird geklärt, wie viel Einfluss sie innerhalb des artizipationsprozesses nehmen können und wie vonseiten der Entscheidungsträgerinnen und -träger ihre Rolle gesehen wird: etwa als Ideengebende, Interessenvertreterinnen und -vertreter oder Mitbestimmende etc. Die Kinder und Jugendlichen erhalten damit Klarheit über die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Einflussnahme. Dabei sollen die Stimmen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen – soweit möglich – gleichwertig sein.

Die Informationen sind verständlich und die Kommunikation ist gleichberechtigt.

Es erfolgt eine umfassende und für die jeweilige Zielgruppe verständliche Information über die Beteiligungsrechte und -angebote für Kinder und Jugendliche. Wichtige Meilensteine und Ergebnisse werden an alle relevanten Akteurinnen und Akteure verständlich vermittelt. Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist gleichberechtigt gestaltet. Die Erwachsenen interessieren sich ernsthaft für die Interessen der Kinder und Jugendlichen und setzen sich mit ihnen auseinander. Kinder und Jugendliche müssen merken, dass ihre Meinungen ernst genommen werden.

Kinder und Jugendliche wählen für sie relevante Themen aus.

Bei der Themenfindung werden Kinder und Jugendliche aktiv eingebunden. In Beteiligungsverfahren werden Themen behandelt, die für Kinder und Jugendliche bedeutsam sind. Diese können ihr unmittelbares Lebensumfeld betreffen, aber auch übergeordnete Fragestellungen sein.

Die Methoden sind attraktiv und zielgruppenorientiert.

Die in Beteiligungsverfahren eingesetzten Methoden entsprechen dem Entwicklungs- und Bildungsstand der Zielgruppe. Die Methoden werden so gewählt, dass sie Zugangsmöglichkeiten eröffnen und nicht durch Einseitigkeit (z.B. ausschließlich über Sprache und Schrift) zur Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen beitragen. Die eingesetzten Methoden sind vielfältig, sprechen unterschiedliche Sinne an  und dienen dazu, Kinder und Jugendliche zum aktiven Handeln anzuregen und zu befähigen.

Es werden ausreichend Ressourcen zur Stärkung der Selbstorganisationsfähigkeit zur Verfügung gestellt.

Für Beteiligungsverfahren werden ausreichende Personal-, Sach- und Finanzressourcen bereitgestellt. Die Bereitstellung von Ressourcen, die personelle Begleitung und die Qualifizierung sind darauf ausgerichtet, die Selbstorganisationsfähigkeit junger Menschen zu fördern.

Die Ergebnisse werden zeitnah umgesetzt.

Konkrete Ergebnisse und Entscheidungen aus dem Beteiligungsprozess werden zeitnah umgesetzt. Falls eine Umsetzung nicht oder nur teilweise erfolgt, gibt es hierfür nachvollziehbare Gründe, die den Beteiligten umfassend und verständlich vermittelt werden.

Es werden Netzwerke für Beteiligung aufgebaut.

Es werden unterstützende Partnerinnen und Partner gewonnen und ein aktives Netzwerk aufgebaut, um die Beteiligung junger Menschen zu fördern und die Synergieeffekte unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure zu nutzen. Die Koordination der Netzwerke ist sichergestellt, und es bestehen für alle nachvollziehbare Regeln der Zusammenarbeit.

Die Beteiligten werden für Partizipation qualifiziert.

Durch ein Qualifizierungskonzept wird sichergestellt, dass die beteiligten Akteurinnen und Akteure über die erforderlichen personalen, methodischen, kommunikativen, organisatorischen und sachbezogenen Kompetenzen für die Gestaltung von Partizipationsvorhaben verfügen. Dazu werden die Erwachsenen darin unterstützt, sich mit der eigenen Rolle im Partizipationsgeschehen auseinanderzusetzen, eine partizipationsfördernde Haltung entwickeln zu können und Partizipationsmethoden kennenzulernen. Kinder und Jugendliche werden in ihrer Entfaltung von Partizipations- und Demokratiekompetenzen durch gezielte Fortbildungsangebote unterstützt. Darüber hinaus werden ihnen Strukturen zur Verfügung gestellt, die Gelegenheit zur Partizipation bieten. Diese umfassen formelle und informelle Lernprozesse und nutzen auch Ansätze der peer education (Jugendliche qualifizieren Jugendliche).

Partizipationsprozesse werden so gestaltet, dass sie persönlichen Zugewinn ermöglichen.

Der Beteiligungsprozess wird so gestaltet, dass Kinder und Jugendliche einen persönlichen Zugewinn erfahren können, der über eine Betrachtung von Partizipation unter allgemeinen Nutzenaspekten weit hinausgeht und biografische Entwicklungen in den Blick nimmt. Wesentlich ist:

  • die Erfahrung von persönlichem Sinn und Gemeinsinn,
  • anregende neue Beziehungen zu Peers und Erwachsenen und
  • die Erweiterung ihrer Kompetenzen.

Das Erleben von Zugewinn fördert die für Partizipation notwendige Durchhaltemotivation und regt zu weiterem Engagement an. Der Zugewinn findet sich dabei nicht nur aufseiten der beteiligten Kinder und Jugendlichen. Die erwachsenen Akteurinnen und Akteure gewinnen einen veränderten Blick auf die Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen und erleben neue Rollen. Alle Beteiligten machen ungewohnte gemeinsame Demokratieerfahrungen.

Das Engagement wird durch Anerkennung gestärkt.

Das Engagement aller Beteiligten, insbesondere der Kinder und Jugendlichen, erfährt öffentliche bzw. institutionelle Wertschätzung und Anerkennung. Dazu dient auch die Zertifizierung erworbener Qualifikationen und Kompetenzen.

Partizipation wird evaluiert und dokumentiert.

Durch eine kontinuierliche und partizipative Evaluation des Vorhabens werden die Qualität der Beteiligungsangebote in Gegenwart und Zukunft gesichert und Lernprozesse ermöglicht. Die Dokumentation und Veröffentlichung von Ergebnissen trägt dazu bei, dass Beteiligung öffentlich wahrgenommen und kontinuierlich weiterentwickelt wird.