Formen der Jugendbeteiligung

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Formen der Jugendbeteiligung

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Junge Menschen sind verschieden. Ihnen sind sehr unterschiedliche Themen wichtig. Die Jungen Themen sind so vielfältig wie junge Menschen selbst. Es gibt nicht DIE Jugend oder eine gemeinsame Meinung aller jungen Menschen. Es gibt nicht EINEN Weg, um sie zu erreichen.

Es gibt verschiedene Formen von Beteiligung. Und es gibt verschiedene Situationen, an denen beteiligt wird. Offene Angebote in einem Jugendcafé sprechen andere Jugendliche an als eine Podiumsdiskussion. Dauerhaftes Engagement ist ebenso wichtig wie kurze und freie Mitwirkung.

Piotr Paluchowski (CC BY-NC 3.0 DE) | Ausschnitt

Generell macht es Sinn, Beteiligungsprozesse an die bestehenden Strukturen anzuschließen, denn:

1) Bestehende Strukturen bedeuten weniger zeitlichen Aufwand: Dadurch kann häufiger beteiligt werden und junge Menschen müssen nicht so viel Zeit dafür aufbringen.

2) Vorhandene Strukturen bedeuten langfristige Beziehungen: Dadurch wird die Ansprache junger Menschen einfacher. Und es können auch Menschen beteiligt werden, die sonst oft nicht erreicht werden.

3) Vorhandene Strukturen leisten Weiterentwicklung: Dadurch können die nächsten Schritte besser werden.

Mit der folgenden Auflistung haben wir versucht, diverse Formen der Jugendbeteiligung zu erläutern und damit einen Überblick über die Vielfalt von Beteiligungsformen zu geben:

Beteiligungsmöglichkeiten im Alltag

Mitbestimmung in der Schule – Engagement in der Schüler_innenvertretung

Die Schule ist ein wichtiger Lebensmittelpunkt, an dem Jugendliche nicht nur einiges lernen, sondern sich auch wohlfühlen, ernst genommen werden und mitentscheiden sollen. Die Vermittlung von Fähigkeiten im Umgang mit anderen und von demokratischen Einstellungen und Haltungen ist eine wichtige Aufgabe der Schule. Daher sind auch die Formen der Interessenvertretung und Beteiligung der Schüler_innen im Schulgesetz festgeschrieben, mit einigen Unterschieden zwischen den Bundesländern.

Für alle Klassen gibt es gewählte Klassensprecher_innen und die Schüler_innen können sich treffen, um Ihre Ideen und Vorschläge zu besprechen. Dabei kann es zum Beispiel um Schulprojekte oder die Unterrichtsgestaltung gehen. In der Schulkonferenz und manchen anderen Arbeitsgruppen der Schule haben Vertreter_innen der Schüler_innen Mitspracherecht und Stimmrecht. In manchen Bundesländern gibt es statt der Schulkonferenz ein Schulforum oder einen Schulausschuss. Die Schüler_innenvertretung muss über anstehende Veränderungen informiert werden und die Schule muss sich mit ihren Vorschlägen auseinandersetzen. Die Schüler_innen sind auf diese Weise an vielen wichtigen Entscheidungen der Schule beteiligt und können zum Beispiel über die Pausenzeiten und die Grundsätze des Unterrichts mitentscheiden oder darüber, wofür die Schule Geld ausgibt.

Unterstützung bekommt die Schüler_innenvertretung von Lehrer_innen oder Sozialpädagog_innen. Zum Austausch und zur Vernetzung gibt es Schüler_innenräte in den Landkreisen, Städten und Bundesländern.

  • Zeitrahmen: Die Vertreter_innen werden für einen bestimmte Amtszeit, zum Beispiel ein Schuljahr gewählt.
  • Verbindlichkeit: Hoch
  • Wirkungsbereich: Schule
  • Grundlage: Schulgesetze
  • Akteur_innen: Schüler_innen
  • Beteiligte: Schulleitung, Lehrer_innen, Elternvertreter_innen, Sozialpädagog_innen
  • Initiative u. Leitung: Die Schüler_innen organisieren sich selbst, können aber Unterstützung bekommen.

Betriebliche Mitbestimmung - Engagement in der Jugend- und Auszubildendenvertretung

Die Mitbestimmungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sind gesetzlich klar geregelt und stehen jungen Angestellten genauso offen wie älteren. Aber für sie gibt es in Unternehmen mit Betriebsrat zusätzlich auch eine eigene Interessenvertretung: die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV).

Die JAV überprüft zum Beispiel, ob bei der Ausbildung im Betrieb alle Regeln eingehalten und die Auszubildenden korrekt eingesetzt werden. Die JAV berät junge Menschen und Auszubildende in Bezug auf ihre Arbeit oder Ausbildung. Außerdem nimmt die JAV an Besprechungen teil, wenn der Arbeitgeber und der Betriebsrat über Themen entscheiden, welche die jungen Angestellten betreffen. Unterstützung bekommt die JAV von der zuständigen Gewerkschaft.

  • Zeitrahmen: Die JAV wird in der Regel alle zwei Jahre gewählt.
  • Verbindlichkeit: Hoch
  • Wirkungsbereich: Arbeit / Ausbildung
  • Grundlage: Betriebsverfassungsgesetz
  • Akteur_innen: Auszubildende, Praktikant_innen, Werkstudent_innen und junge Arbeitnehmer_innen
  • Beteiligte: Betriebsleitung, andere Mitarbeiter_innen, Gewerkschaften
  • Initiative u. Leitung: Die Auszubildenden und jungen Angestellten organisieren sich selbst, erhalten aber Unterstützung vom Betriebsrat und der Gewerkschaft.

Mitbestimmung im Studium

Die Mitbestimmungsmöglichkeiten sind an den einzelnen Hochschulen und Universitäten sowie von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Im Prinzip gibt es aber überall zwei Bereiche, in denen sich Studierende beteiligen können.

Auf der einen Seite sind die Studierenden für bestimmte Angelegenheiten, die sie betreffen, selbst verantwortlich. Da geht es zum Beispiel um Verhandlungen über günstige Nahverkehrstarife (Semestertickets) oder um die Unterstützung für hilfsbedürftige Studierende. Hierfür gibt es an den meisten Hochschulen Studierendenparlamente, die von den allen Studierenden gewählt werden. Dazu kommen Studierendenausschüsse oder Studierendenräte, die sich um die Umsetzung der Beschlüsse kümmern.

Auf der anderen Seite haben die Studierenden Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Organisation der Hochschule. Sie können Vertreter_innen wählen, die in den wichtigsten Arbeitsgruppen der Hochschule mitreden und mitentscheiden können.

Da die meisten Hochschulen mehrere tausend Studierende haben, ist es kaum möglich, allein etwas zu bewegen. Daher geht es schon fast zu wie in der großen Politik. Organisationen von Studierenden, die entweder zu Parteien gehören oder unabhängig sind, werben um Mitglieder und treten bei den Wahlen gegeneinander an. Übersichtlicher ist die Interessenvertretung innerhalb eines Fachbereiches. Interessierte Studierende können sich dort in einer Fachschaft zusammenschließen und Themen direkt gegenüber den Lehrkräften ansprechen.

  • Zeitrahmen: Die Vertreter_innen werden für einen bestimmte Amtszeit gewählt. In vielen Fachschaftsvertretungen und Arbeitsgruppen kann man sich jederzeit einbringen.
  • Verbindlichkeit: Hoch
  • Grundlage:  Hochschulgesetze, Regelungen der einzelnen Hochschule
  • Wirkungsbereich: Hochschule / Universität
  • Akteur_innen: Studierende
  • Beteiligte: Hochschulverwaltung, Lehrkräfte
  • Initiative u. Leitung: Die Studierenden organisieren sich selbst.

Jugendverband

Es gibt viele Jugendverbände, in denen sich junge Menschen organisieren und selbstbestimmt ihren Interessen nachgehen können. Bei regelmäßigen Aktivitäten wie Gruppentreffen oder Ferienfahrten übernehmen sie Verantwortung für sich selbst und andere. Die Jugendlichen stimmen sich mit anderen ab, entwickeln eigene Vorhaben und setzen diese um. Sie gestalten auf diese Weise einen Teil ihrer Lebenswelt selbst. Im Jugendverband entscheiden junge Menschen über ihre Angelegenheiten selbst: Als Mitglieder wählen sie ihre Vertreter_innen in oder stellen sich selbst zur Wahl, um Verantwortung zu übernehmen, sie entscheiden gemeinsam über die Verwendung der Mitgliedsbeiträge sowie anderer Gelder des Verbandes und diskutieren, wofür der Verband sich einsetzen soll.

Junge Menschen, die so die Wirksamkeit ihres demokratischen Engagements erfahren haben, möchten sich aber oft auch an der Gestaltung der Gesellschaft im Großen beteiligen. Daher wirken Jugendverbände nicht nur nach innen, sondern ermöglichen jungen Menschen auch, ihre Meinungen und Vorstellungen nach außen zu tragen, zum Beispiel durch politische Kampagnen oder Kundgebungen. Die Jugendverbände leben vom ehrenamtlichen Engagement vor Ort, sind aber auch auf Landesebene sowie Bundesebene aktiv und arbeiten mit internationalen Partner_innen zusammen.

  • Zeitrahmen: eher langfristig, je nach Strukturen und Engagement
  • Verbindlichkeit: Mittel
  • Grundlage: Gruppe von Interessierten, Kinder- und Jugendhilfegesetz
  • Wirkungsbereich: vor allem Freizeit und Alltag
  • Akteur_innen: alle interessierten jungen Menschen
  • Beteiligte: Politik, Verwaltung, Öffentlichkeit – je nach Zielstellung des Verbandes
  • Initiative u. Leitung: Selbstorganisation, Ältere unterstützen Jüngere

Selbstverwaltung jugendlicher Lebensräume

Jugendclubs und andere offene Einrichtungen für Jugendliche gibt es vielerorts. Wie stark deren Aktivitäten und der tägliche Betrieb durch pädagogische Fachkräfte geleitet oder begleitet werden, ist sehr unterschiedlich. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und es Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte gibt, können junge Menschen sich und ihre Räume auch sehr gut selbst verwalten. Im Saarland ist sogar die Mehrheit der Jugendzentren selbstorganisiert. Eine Übertragung der Entscheidungskompetenz an die Nutzer_innen der Einrichtung ermöglicht den Jugendlichen nicht nur, alles nach ihren Wünschen und Interessen zu gestalten und zum Beispiel die nächsten Konzerte oder die Renovierung der Räume zu besprechen. Durch die Verantwortung für ihren Jugendclub werden die Jugendlichen auch zu lokalpolitischen Gestalter_innen. Sie beteiligen sich an der Entwicklung des Ortes, ihre Projekte beleben die Umgebung und nicht zuletzt müssen sie etwa Nutzungsmöglichkeiten und Finanzierung mit lokalen Entscheidungsträger_innen absprechen. Die Einrichtung kann beispielsweise durch einen Verein der Beteiligten selbst oder einen Jugendverband getragen werden.

  • Zeitrahmen: dauerhaft
  • Verbindlichkeit: Mittel
  • Grundlage: durch Verwaltung oder Träger der Jugendhilfe eingerichtet
  • Wirkungsbereich: vor Ort
  • Akteur_innen: alle interessierten Jugendlichen
  • Beteiligte: Verwaltung, pädagogische Fachkräfte, Öffentlichkeit
  • Initiative u. Leitung: Teilweise oder vollständige Selbstorganisation. Mit oder ohne pädagogische Begleitung.

Initiativen und Organisationen

In Organisationen und Initiativen können Jugendliche ihren Interessen nachgehen und sich gesellschaftlich engagieren. Das können sehr große Vereine sein, wie zum Beispiel die bekannten Umweltverbände, die Jugendorganisationen der politischen Parteien oder kleine Vereinigungen vor Ort, zum Beispiel im Kulturbereich. Als Mitglied eines Vereins kann man das Vereinsleben mitgestalten und an Sitzungen und Abstimmungen teilnehmen. Jugendliche können auch selbst Vereine gründen, um ihre Hobbys oder Interessen zu organisieren. Ein solcher Zusammenschluss kann für alles Mögliche nützlich sein: zum Beispiel um regelmäßig Konzerte zu veranstalten, um gemeinsam einen Jugendclub in der Nachbarschaft zu fordern oder die Verantwortung für ein Graffitiprojekt im Stadtteil zu übernehmen. In einem Verein ist unter Anderem geregelt, was das gemeinsame Ziel ist, wie die Entscheidungen getroffen werden und wer die Gruppe nach außen vertritt. Ein Verein kann zur Umsetzung seiner Ziele auch Geld bei der Stadt oder bei Förderprogrammen beantragen – ein großer Vorteil gegenüber unverbindlichen Aktivitäten im Freundeskreis.

  • Zeitrahmen: langfristig
  • Verbindlichkeit: Mittel
  • Grundlage: Gruppe von Interessierten
  • Wirkungsbereich: unterschiedlich
  • Akteur_innen: alle Interessierten
  • Beteiligte: andere Mitglieder, Öffentlichkeit, evtl. Politik und Verwaltung.
  • Initiative u. Leitung: Selbstorganisation der Mitglieder, mit oder ohne pädagogische Begleitung.

Beteiligungsmöglichkeiten in politischen Prozessen und Strukturen

Jugendring

Als Zusammenschluss der Jugendverbände vertreten die Kreisjugendringe, Stadtjugendringe, Landesjugendringe und der Deutsche Bundesjugendring die gemeinsamen Positionen der Jugendverbände – d.h. von Millionen engagierten Jugendlichen im ganzen Land. Die Jugendringe setzen sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Jugendliche und Jugendverbände ein: indem sie sich in die Politik einmischen, sich an Gremien der Jugendhilfe beteiligen und die Jugendverbände in Fachfragen beraten. Außerdem organisieren die Jugendringe auch Treffen und Schulungen für Jugendliche, um sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen oder praktisches Wissen und Fähigkeiten für die ehrenamtliche Arbeit zu sammeln.

Die Arbeit der Jugendringe findet auf zwei verschiedenen Ebenen statt: Die Jugendverbände wählen jeweils ehrenamtliche Vertreter_innen, die für sie im Jugendring sprechen und zusammen Beschlüsse fällen sollen. Dafür gibt es Mitgliederversammlungen, auf denen alle beteiligten Jugendverbände vertreten sind. Für die Umsetzung der Beschlüsse und ihre verschiedenen Aufgaben haben die Jugendringe in der Regel Mitarbeiter_innen. Von Stadt zu Stadt und von Kreis zu Kreis ist es unterschiedlich, wieviele Aufgaben der örtliche Jugendring übernimmt und wie die Arbeit zwischen dem Jugendring, den Jugendverbänden, aber auch mit dem Jugendamt aufgeteilt ist. Die Jugendringe sind aber überall an den Jugendhilfeausschüssen der Gemeinden und Bundesländer beteiligt, indem sie Vertreter_innen ihrer Mitgliedsverbände für diese Aufgabe wählen. In den Jugendhilfeausschüssen entscheiden Politiker_innen und Vertreter_innen von Vereinen und Jugendveränden regelmäßig über die örtliche Kinder- und Jugendpolitik. Deren Entscheidungen müssen vom Jugendamt umgesetzt werden.

  • Zeitrahmen: dauerhaft
  • Verbindlichkeit: Hoch
  • Grundlage: Zusammenschluss der Jugendverbände, Kinder- und Jugendhilfegesetz
  • Wirkungsbereich: Stadt / Landkreis, Bundesland, Deutschland
  • Akteur_innen: Vertreter_innen der Jugendverbände
  • Beteiligte: Öffentlichkeit, Politiker_innen, Jugendamt
  • Initiative u. Leitung: Steuerung durch Vertreter_innen der Jugendverbände. Ausführung durch Ehrenamtliche oder Mitarbeiter_innen.

Regelmäßige Jugendparlamente und Jugendräte

Beteiligungsformen, in denen (gewählte) Jugendvertreter_innen langfristig und regelmäßig an der politischen Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in der Stadt oder im Landkreis mitwirken, funktionieren von Ort zu Ort unterschiedlich und tragen ganz unterschiedliche Namen. Verbreitet sind zum Beispiel die Bezeichnungen als Jugendparlament, Jugendrat oder Jugendbeirat. An diesen Worten wird schon deutlich, dass es sich oft um Diskussions- und Entscheidungsformen handelt, die ähnlich sind wie in der großen Politik. Das bedeutet, dass junge Menschen verbindlich und langfristig am Ball bleiben müssen, dadurch aber auch politische Erfahrung und Selbstbewusstsein gegenüber Politiker_innen oder der Stadtverwaltung  aufbauen. Kurzfristige Ergebnisse können in diesem Bereich der Jugendbeteiligung eher nicht erreicht werden. Auch sind bestimmte Eigenschaften von Vorteil, wie zum Beispiel gut diskutieren zu können oder die eigenen Ideen gern vor anderen zu präsentieren, sodass nicht automatisch alle Jugendlichen gleich gut vertreten sind. Dafür sorgen Jugendparlamente, Jugendräte und ähnliche Foramte dafür, dass junge Meinungen und Interessen nicht nur in Einzelfällen, sondern grundsätzlich in die Politik vor Ort einfließen. Jugendparlamente können zum Beispiel beschließen, zu selbstgewählten Themen eigene Anträge in den Stadtrat einzubringen, mit denen sich die Politiker_innen dann auseinandersetzen müssen. In manchen Städten oder Landkreisen haben sie auch ein eigenes Budget, mit dem sie Projekte von Jugendlichen unterstützen können.

  • Zeitrahmen: langfristig
  • Verbindlichkeit:  Hoch
  • Grundlage: Durch Kreistag oder Stadtparlament eingerichtet.
  • Wirkungsbereich:  Stadt / Landkreis
  • Akteure_innen: Unterschiedlich. Meist können Jugendliche vor Ort ihre Vertreter_innen wählen.
  • Beteiligte: Politiker_innen, Verwaltung
  • Initiative u. Leitung: Oft von Politiker_innen oder der Verwaltung veranlasst. Die Funktionsweise ist von Ort zu Ort sehr unterschiedlich.

Öffnung herkömmlicher Wahlverfahren

Ein wichtiger Schritt, um junge Menschen früher und stärker an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen, ist die Herabsenkung des Wahlalters. Von Jugendlichen wird in verschiedenen Bereichen Verantwortung für ihr eigenes Leben eingefordert – zum Beispiel bei Gesetzesverstößen oder in Fragen des Glaubens. Für eine ernsthafte Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft  sowie die Verantwortungsübernahme für sich selbst und andere ist aber auch das Wahlrecht ein entscheidender Maßstab. In manchen Bundesländern wurde das Wahlalter für Landtagswahlen und Kommunalwahlen bereits auf 16 Jahre gesenkt. Der Bundesjugendring fordert das allgemeine Wahlrecht für Jugendliche ab 14 Jahren.

  • Zeitrahmen: dauerhaft
  • Verbindlichkeit: Gering
  • Grundlage: Beschluss des Landesparlamentes oder des Bundestages
  • Wirkungsbereich: Bundesland oder Deutschland
  • Akteur_innen: Jugendliche unter 18 Jahren
  • Beteiligte: Jugendverbände, Deutscher Bundesjugendring, Jugendministerien, etc.
  • Initiative u. Leitung: Muss gesetzlich eingeführt werden.

Jugendkonferenzen, Jugendforen, Ideenwerkstätten

Offene Beteiligungsveranstaltungen wollen eine möglichst große Anzahl von Interessierten am politischen Austausch beteiligen und zeichnen sich durch geringe Teilnahmehürden aus: Jede_r und alle können mitmachen. Die Veranstaltungen sind so gestaltet, dass die Teilnehmenden mit Spaß und Kreativität eine Fragestellung oder ein Thema bearbeiten können. Manchmal beschränken sich diese Veranstaltungen aber darauf, die Meinungen oder Ideen der jungen Menschen zu sammeln, um mit den Ergebnissen anschließend ohne die Jugendlichen weiterzuarbeiten.

Offene Beteiligungsveranstaltungen haben in der Regel nicht die Möglichkeit, Beschlüsse zu fassen, sondern sammeln Anregungen und Empfehlungen. Bei ungenügender Ergebnissicherung oder fehlenden verbindlichen Absprachen mit den Beteiligten aus Politik und Verwaltung besteht die Gefahr der Enttäuschung über die Folgenlosigkeit einer Veranstaltung. Offene Beteiligungsformate können junge Menschen daher sowohl begeistern als auch ernüchtern. Veranstaltungen, die nicht vereinzelt, sondern aufeinander aufbauend zur offenen Beteiligung einladen, erlauben eine Erfahrungsweitergabe und den Aufbau eines langfristigen Dialoges, ohne die Teilnehmenden zur verbindlichen regelmäßigen Teilnahme zu verpflichten. Ein Beispiel hierfür ist die Veranstaltungsreihe „Jugend und Politik im Dialog“, die der Deutsche Bundesjugendring im Rahmen des Strukturierten Dialoges durchführt.

  • Zeitrahmen: Tage oder Wochenenden, teilweise wiederkehrend
  • Verbindlichkeit: Gering
  • Wirkungsbereich: Stadt / Landkreis, Bundesland oder Deutschland
  • Akteur_innen: Alle interessierten jungen Menschen
  • Beteiligte: Unterschiedlich, meist Verwaltung oder Politik_innen, Vereine
  • Initiative u. Leitung: Meist von Politiker_innen, der Verwaltung oder Jugendringen veranlasst.

Projektarbeit

Sind junge Menschen einmalig an der Ausgestaltung eines konkreten Vorhabens oder der Lösung eines konkreten Problems beteiligt, spricht man von projektorientierter Beteiligung. Das kann zum Beispiel die Beteiligung der Jugendlichen an der Planung eines Skateparks oder des Programms für das Stadtfest sein. Interessierte können sich in die Projektarbeit einbringen und zum Beispiel an Diskussionen teilnehmen oder sich an der Umsetzung beteiligen. Das Handlungsfeld ist in diesen Fällen überschaubar. Die Teilnahme ist unkompliziert möglich und bedeutet keine langfristige Verpflichtung. Die klare Zielstellung, der begrenzte Projektzeitraum und die Sichtbarkeit der Ergebnisse motivieren Jugendliche zur Teilnahme. Es werden aber keine dauerhaften Formen der Beteiligung von Jugendlichen aufgebaut und die Umsetzung der Ideen hängt am Ende oft trotzdem von der Zustimmung von Amtsträger_innen ab.

  • Zeitrahmen: kurzfristig
  • Verbindlichkeit: Gering
  • Grundlage: Anstehendes Vorhaben vor Ort
  • Wirkungsbereich: Stadt / Landkreis
  • Akteur_innen: Alle interessierten jungen Menschen
  • Beteiligte: Vereine, örtliche Verwaltung, Politiker_innen
  • Initiative u. Leitung: Von Verantwortlichen des Projektes, z.B. Stadtverwaltung veranlasst.

Lobbyarbeit

Viele Angelegenheiten, die Jugendliche betreffen, hängen von kleinteiligen politischen Entscheidungen oder Gesetzen ab: von der Gestaltung ihrer Wohngegend über ihre Weiterbildungsmöglichkeiten neben der Berufsausbildung bis hin zur Finanzierung des Lieblingsferienlagers. An vielen solchen Entscheidungen werden junge Menschen leider nicht direkt beteiligt, weil die Entscheidungen von gewählten Politiker_innen oder in Ministerien von Politikprofis getroffen werden. Das Ziel der Lobbyarbeit ist, durch Expert_innen, die eine bestimmte Interessensgruppe vertreten, Einfluss auf solche Entscheidungen zu nehmen. Zum Beispiel setzen sich die Vertreter_innen und Mitarbeiter_innen von Jugendverbänden und Jugendringen für mehr Beteiligung von Jugendlichen ein – sie leisten Lobbyarbeit für Jugendbeteiligung. Hierfür sind Geduld und Berharrlichkeit wichtig, weil die Abläufe in Politik und Verwaltung sehr langfristig ausgerichtet sind und man sich immer wieder Gehör verschaffen muss, um wirklich einen Einfluss auf die entstehenden Beschlüsse, Gesetze oder Vorschriften zu haben.

  • Zeitrahmen: dauerhaft
  • Verbindlichkeit: Hoch
  • Grundlage: Netzwerke von Kontakten und Teilnahme an Veranstaltungen
  • Wirkungsbereich: Stadt / Landkreis, Bundesland oder Deutschland
  • Akteur_innen: Meist hauptamtliche Mitarbeiter_innen von Verbänden und Jugendringen
  • Beteiligte: Verwaltung, Politiker_innen
  • Initiative u. Leitung: Jugendringe, Vereine und Verbände.

Kommunale Bürger_innenbeteiligung

Natürlich können sich junge Menschen auch in die allgemeinen Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort einbringen, die für Einwohner_innen jeden Alters gedacht sind. Manche Beteiligungsformen sind gesetzlich vorgeschrieben: So müssen die Städte und Landkreise ihre Bürger_innen frühzeitig beteiligen, wenn zum Beispiel Bauvorhaben geplant werden. Alle Interessierten haben dann die Möglichkeit, sich zu informieren, ihre Meinung zu äußern und Einwände zu formulieren, die die Verwaltung berücksichtigen muss. Die Bürger_innen können auch direkt in die Politik eingreifen, wenn sie genug Unterstützung und Geduld für einen Bürgerentscheid haben.

Vielerorts gibt es aber auch andere Beteiligungsmöglichkeiten, die nicht gesetzlich geregelt sind. Das können zum Beispiel einmalige Versammlungen zur unverbindlichen Diskussion eines bestimmten Themas oder ein regelmäßig beratendes Stadtforum sein sein. An manchen Orten gibt es Bürger_innenhaushalte, sodass die Bürger_innen einen Teil der Geldmittel ihrer Gemeinde selbst verwalten können und in regelmäßigen Sitzungen darüber diskutieren. Alle kommunalen Beteiligungsverfahren leben vom Engagement der Einwohner_innen, von jüngeren und älteren Menschen gleichermaßen.

  • Zeitrahmen: unterschiedlich
  • Verbindlichkeit: unterschiedlich, teilweise gesetzlich vorgeschrieben
  • Grundlage: Teilweise Gesetze, z.B. im Baurecht, teilweise Entscheidungen der Kommunalpolitik
  • Wirkungsbereich: Stadt / Landkreis
  • Akteur_innen: Alle interessierten Einwohner_innen
  • Beteiligte: Verwaltung, Politiker_innen
  • Initiative u. Leitung: Kommunale Verwaltung

Digitale Beteiligungsmöglichkeiten

Digitale Formate und Werkzeuge

Digitale Beteiligungsschritte haben manche Vorteile gegenüber Veranstaltungen vor Ort: Es können sich viele Interessierte beteiligen und räumliche Entfernungen zwischen ihnen sind kein Hindernis für die Teilnahme, was zum Beispiel in großen Landkreisen einen echten Unterschied macht. Die Teilnehmenden können selbst entscheiden, wann sie ihre Beiträge einreichen und sind nicht von einheitlichen Terminfestlegungen abhängig. In digitalen Beteiligungsprozessen können sich sehr viele Interessierte äußern, ohne aufeinander warten zu müssen oder sich in die Quere zu kommen. Andererseits kann das aber auch bedeuten, dass sich nicht alle überhaupt mit den Beiträgen der anderen auseinandersetzen. Im Gegensatz zu Versammlungen vor Ort verwandeln sich einzelne Beiträge im Internet seltener zu einer echten Diskussion mit greifbarem Stimmungsbild, an deren Ende bestimmte Beschlüsse nahe liegen. Es ist bei einer großen Anzahl vereinzelter Teilnehmender auch nicht so einfach, gemeinsam verbindliche Ergebnisse festzulegen oder deren spätere Umsetzung zu verfolgen. Daher braucht es (wie auch bei Veranstaltungen vor Ort) eine gute Moderation, Planung und Auswertung von digitalen Beteiligungsprozessen.

Digitale Beteiligungswerkzeuge können in vielen herkömmlichen Beteiligungsprozessen eingesetzt werden und diese ergänzen. Ihre Anwendungen sind dabei so vielfältig wie die möglichen Beteiligungsvorhaben. Am besten ist es, Beteiligungsmöglichkeiten online und offline aufeinander abzustimmen und die Möglichkeiten beider Angebote zu nutzen. Das Internet und digitale Medien sind für die meisten jungen Menschen ein alltäglicher Teil der Lebenswelt, sodass es sinnvoll ist, diesen Kommunikationsraum für Beteiligungsformate aller Art zu nutzen.