Bericht: DiskursWerkstatt „Jugendbeteiligung stärken“ mit angeschlossenen Qualifizierungsangeboten

Jugendbeteiligunggemeinsamweiterdenken

Bericht: DiskursWerkstatt „Jugendbeteiligung stärken“ mit angeschlossenen Qualifizierungsangeboten

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„Wirksame Jugendbeteiligung braucht gute Rahmenbedingungen!“ Die Bedarfe und Erwartungen sind klar. Aber was bedeutet das konkret vor Ort? Im Rahmen der Werkstatt MitWirkung lud der Deutsche Bundesjugendring vom 27.-28. September 2018 haupt- und ehrenamtliche Praktiker*innen der Jugendbeteiligung sowie  Verantwortliche aus Politik und Verwaltung nach Berlin ein, um gemeinsam zu diskutieren und zu konkretisieren, wie Strukturen und Akteure den Ansprüchen gerecht werden können. Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden zudem drei Qualifizierungsangebote mit praktischen Hilfestellungen für die Arbeit vor Ort angeboten.

Einladung als PDF

 

Programm

GET-TOGETHER UND DISKUSSION | „Zuhören – Wie kann Beteiligung stärker von der Jugend ausgehen?“

Alle, die schon am Vorabend anreisten und Lust auf ein Kennenlernen mit Input hatten, trafen sich am Mittwoch, 26. September auf ein gemütliches Get-together. In lockerer Atmosphäre sprachen wir über die Idee des Zuhörens als Beteiligungsansatz. Welche Form kann Zuhören haben, an welchen Orten und welche Rahmenbedingungen braucht es dafür? Die Ideen und Ansätze sammelten wir auf Post Its.

Donnerstag, 27. September 2018 | 10:00 – 17:00 Uhr

DISKURSWERKSTATT | „Jugendbeteiligung stärken – Rahmenbedingungen“

In den bisherigen DiskursWerkstätten wurden Bedarfe und Wünsche formuliert. Gemeinsam mit Teilnehmenden aus verschiedenen Bereichen wollten wir nun die praktische Gestaltung von Rahmenbedingungen für wirksame Jugendbeteiligung konkretisieren – losgelöst von den Prozessen und Herausforderungen vor Ort, aber mit Ergebnissen, die alle mitnehmen können. Aspekte von guter Jugendbeteiligung wurden vorgestellt und in Arbeitsgruppen diskutiert. Akteure, die (gemeinsam) konkret Jugendbeteiligung gestalten (wollen), konnten hier – mit etwas Abstand zu den eigenen Strukturen – Ansprüche und Rahmenbedingungen reflektieren und weiterentwickeln.

 

Donnerstag, 27. September 2018 | 18:00 – 20:00 Uhr
Freitag, 28. September 2018 | 9:00 – 16:30 Uhr

QUALIFIZIERUNGSANGEBOTE | „Jugendbeteiligung stärken – praktische Hilfestellungen“

Im zweiten Teil der Veranstaltung widmeten wir uns verschiedenen Ansätzen für die Praxis. Um die Gestaltung von Beteiligungsaktivitäten zu unterstützen, boten wir Trainings zu konkreten Aspekten an. Dabei ging es um konkrete Hilfestellungen für niedrigschwellige Kommunikation, barrierearmes Moderieren und die Weiterbildung für kommunale Beteiligungsprozesse. Je nach Interesse konnte aus diesen drei Angeboten das passende Thema gewählt werden.

Zur Wahl standen die folgenden drei Qualifizierungsangebote:

» EINSTIEG IN EINFACHE UND LEICHTE SPRACHE

Jugendbeteiligung bedeutet immer, dass viele Informationen vermittelt werden müssen. Informationen darüber worum es geht – wie es funktioniert – was passiert – was der politische und thematische Kontext ist… Aber wie können wir verständliche Texte schreiben, ohne zu oberflächlich zu werden? Und was ist eigentlich verständlich?

Bei diesem Training lernten die Teilnehmenden die Grundsätze und Regeln der „Leichten Sprache“ sowie der „Einfachen Sprache“ kennen und versuchten diese anhand von Beispielen umzusetzen. Die ausgebildete Prüferin der Leichten Sprache Shpresa Matoshi verdeutlichte, was wichtige Bestandteile der Leichten Sprache sind und was noch verbessert werden muss: denn ca. 20 Millionen Menschen in Deutschland haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben und benötigen die Unterstützung durch Leichte Sprache. Die Erfahrungen der Prüferin aus ihrem Alltag mit Lernschwierigkeiten waren ein wichtig, um die Grundlagen und Hindernisse zu verstehen. .Der Praxistest – ein Facebook Post – war schwerer als gedacht. Doch die direkten Rückmeldungen der Prüferin und des Experten Thorsten Lotze halfen und verdeutlichten worauf es ankommt.

Referent*innen: Shpresa Matoshi und Thorsten Lotze, Büro für Leichte Sprache und Barrierefreiheit in Osnabrück

» BARRIEREARM MODERIEREN IN BETEILIGUNGSPROZESSEN

In den meisten Beteiligungsprozessen kommt man nicht an ihnen vorbei: Sitzungen, Kongresse, Workshops, Zukunftswerkstätten, Gesprächsrunden… Sie alle benötigen eine durchdachte und gut vorbereitete Moderation. In diesem Qualifizierungsangebot stellten wir uns gemeinsam der Frage, welche Chancen und Hindernissen in der Moderation liegen. Darüber hinaus sahen wir uns Methoden an und überlegten, wie diese verändert werden können, um einer möglichst großen Gruppe von jungen Menschen die Beteiligung zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt dieses Trainings stand eine Reflexion über die Niedrigschwelligkeit eigener Beteiligungsprozesse und Angebote sowie die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Barrierefreiheit. Es wurden konkrete Werkzeuge vorgestellt und direkt ausprobiert.

Referent*innen: Friederike Frank und Fabian Wanisch vom stuhlkreis_revolte – Kollektiv für emanzipatorische Bildungsarbeit und Prozessbegleitung. In dem Kollektiv haben sich 14 freiberufliche Trainer*innen zusammengefunden, welche innerhalb ihrer maßgeschneiderten Seminare die Ein- und Ausschlüsse ihrer Bildungsangebote immer wieder hinterfragen und sich für selbstbestimmte Bildung aller Menschen einsetzen.

» KOMMUNALE MITWIRKUNG JUNGER MENSCHEN KOOPERATIV GESTALTEN

Seit einiger Zeit bietet die Stadt Wolfsburg einen Lehrgang für „Partizipationsbegleiter*innen“ aus Jugendarbeit und Verwaltung an. Dort wird das nötige Handwerkszeug vermittelt, um Jugendliche zu motivieren und Beteiligung zu ermöglichen.

In diesem Training erfuhren die Teilnehmnden unter anderem, wie in einem kooperativen Prozess – unter Einbeziehung von jungen Menschen, Jugendarbeiter*innen, Kommunalpolitik, Verwaltung, Schulen, Vereinen/Verbänden und anderen Akteuren der Jugendarbeit – örtliche Themen und Ansätze für eine aktive, praktische Jugendbeteiligung entwickelt werden können. Es handelt sich um ein seit Jahren weiterentwickeltes und erfolgreiches Modell für Städte und Gemeinden (vor allem auch im ländlichen Raum) und stadtteilorientierte Projekte in größeren Kommunen. Im Workshop wurden die Methoden und Arbeitsformen vorgestellt und teilweise ausprobiert. Dabei wurden Tipps und Anregungen gegeben, aber auch Veränderungsideen und Alternativansätze der Teilnehmenden gesammelt und besprochen. Die dafür erfolgreich getesteten Arbeitsmaterialien und Ablaufvorschläge konnten nach dem Workshop mitgenommen und gerne genutzt werden. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei darauf gerichtet, wie Akteure aus Verwaltung und Politik ihrer Verantwortung in Partizipationsprozessen gerecht werden können und wie nachhaltige Beteiligungsstrukturen gestärkt werden können.

Referent: Uwe Helmes, Stellwerk Zukunft gGmbH, Vechta, ist Trainer für die Ausbildung von Moderator*innen für Kinder- und Jugendpartizipation und begleitet seit 2001 als externer Berater Städte und Gemeinden bei der praktischen Ausgestaltung von Partizipation und kommunaler Jugendarbeit.

HINTERGRUND: Die Workshopreihe „DiskursWerkstatt – Jugendbeteiligung gemeinsam weiterdenken“

Die Workshopreihe hat das Ziel, mit verschiedenen Akteuren konkrete Aspekte im Themenfeld Jugendbeteiligung zu diskutieren und dabei den Fokus auf die Umsetzung bzw. die Weiterentwicklung von Jugendbeteiligung zu legen. Denn Jugendbeteiligung wird immer selbstverständlicher, aber dadurch noch nicht besser. Junge Menschen haben viele Forderungen dazu, wie Jugendbeteiligung verbessert werden soll (mitwirkung.dbjr.de/junge-themen/beteiligung).

Übersicht über die bisherigen DiskursWerkstätten

  • November 2017: „Die Macht der Worte – Jugendbeteiligung braucht verständliche Texte!“ (Workshop für Praktiker_innen der Jugendbeteiligung, Fokus: Training für Einfache Sprache).
  • November 2017: „Wo stehen wir? Jugendverbände und Partizipation“ (Workshop für Multiplikator_innen aus Jugendverbänden und -ringen, Fokus: Partizipation als Selbstverständnis und Vielfalt in der Praxis).
  • Mai 2018: „Vielfalt und Zukunft von Jugendbeteiligung“ (Workshop für Praktiker_innen der Jugendbeteiligung, Fokus: Herausforderungen und Visionen).
  • Juni 2018: „Zuhören statt fragen – Beteiligung von den jungen Menschen aus“ (Workshop für Praktiker_innen der Jugendbeteiligung, Fokus: Beteiligung von den jungen Menschen aus denken und gestalten).